[Rezension] Die Letzten ihrer Art | Maja Lunde

Montag, 6. April 2020


Seiten: 631
Verlag: btb
Ersterscheinung: 21. Oktober 2019
ISBN: 9783442757909
Format: Hardcover (mit Schutzumschlag)
Preis: [A] 22,70 €  |  [D] 22,00 €
Originaltitel: Przewalskis hest
Übersetzung: aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein
Genre: (dystopischer) Roman
Wissenswertes: Band # 3 des Klima-Quartetts


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Mein Lesezeitraum: 1. Feb. - 8. März 2020  (= 37 Tage)




Der Klappentext


St. Petersburg, 1881. Dem Zoologen Michail wird der Schädel eines getöteten mongolischen Wildpferdes gebracht. Er kann kaum fassen, was er in den Händen hält. Es könnte der Schädel eines Urpferdes sein, das eigentlich seit Tausenden von Jahren als ausgestorben gilt. Michail plant eine Expedition in die mongolische Steppe. Ein großes Wagnis, für das er die Hilfe des Abenteurers Wolff benötigt. 

Mongolei, 1992. Die Tierärztin Karin reist mit ihrem Sohn Mathias von Berlin in das Naturschutzgebiet Hustai. Mathias möchte mit seinem früheren Leben abschließen und seine Mutter besser kennenlernen. Karin wiederum ist ihrem Ziel ganz nah, eine Herde des fast ausgestorbenen Przewalski-Pferdes in die freie Wildbahn zu entlassen. Seit ihrer Kindheit widmet sie den Pferden ihr Leben. Doch das hat seinen Preis, damals wie heute. 

Norwegen, 2064. Der Klimakollaps ist eingetreten, Europa zerfällt. Viele Menschen mussten ihre Heimat verlassen, nur Eva und ihre Tochter Isa leben noch immer auf ihrem Hof. Das Verhältnis ist angespannt: Isa möchte gehen, Eva will bleiben und kämpfen, auch wenn die Nahrung knapp wird. Sie möchte um jeden Preis ihre beiden letzten Wildpferde retten. Bis plötzlich eine fremde Frau Zuflucht auf dem Hof sucht ...


Der erste Satz


Wie im Rausch trieb es den Hengst zur Stute.


Meine  Meinung


Ein aufregendes Leseerlebnis, das noch lange nachhallt 

Die Geschichte der Bienen fand ich gut, Die Geschichte des Wassers noch viel besser. Mit Die Letzten ihrer Art hat Maja Lunde einen weiteren Klima-Roman geschaffen, der mich ausgesprochen begeistern konnte.

In diesem Buch gibt es wieder drei Zeitstränge: 1881, 1992 und 2064. Diesmal dreht es sich um eine Tierart, die man verzweifelt versucht, am Leben zu erhalten: um Wildpferde. Da Pferde nicht zu meinen Lieblingstieren zählen, habe ich mir anfangs noch gedacht: Oh, nein! Es geht um Pferde ... Wider Erwarten hat mich die Geschichte aber dennoch sehr mitgenommen und ich habe durchaus interessiert alles über diese Tiere gelesen. In Lundes bisherigen Büchern geht es vor allem darum, wie die Menschen in gewissen Zukunftsszenarien versuchen am Leben zu bleiben. In Die Letzten ihrer Art versucht man nun aber, neben dem Menschen, auch eine andere Spezies überleben zu lassen. Nun fragt man sich wahrscheinlich: Warum gerade Pferde? Gibt es nicht unzählige andere Arten, die ebenfalls am Aussterben sind und Hilfe beim Überleben benötigen würden? Warum also Pferde? Maja Lunde gibt auf diese Frage vor allem im 1992er-Strang eine einleuchtende Antwort, die mir heute noch manchmal im Kopf umgeht ...

Wie in den anderen Büchern habe ich auch hier einen Lieblingsstrang gehabt. Der Zukunftsteil hat mich hier wahrlich am meisten beschäftigt und mitgerissen, denn die dortigen Geschehnisse sind wirklich spannend und teilweise sehr nervenaufreibend. Hierbei handelt es sich um ein dramatisches Zukunftsszenario, das man einfach gebannt verfolgen muss. Man fragt sich ständig: Wie geht's da jetzt weiter? Die Kapitel sind nicht immer besonders lang, weswegen man schnell mal ein paar Kapitel mehr liest als ursprünglich geplant waren.
Immer wieder aufmerksam festgestellt habe ich, dass Lunde ähnliche Umstände in den verschiedenen Zeitsträngen eingebaut hat. Das hat die drei Geschichten zusätzlich miteinander verbunden, was mir sehr gefallen hat. Und was ich noch als sehr positiv und lesenswert angeben muss, ist Lundes feines Gespür für Zwischenmenschliches und ihre Fähigkeit, Kleinigkeiten und Details so bildhaft niederzuschreiben. Das, was sie über die Gefühlswelt, das Innenleben und das, was zwischen den Charakteren "in der Luft schwebt" schreibt, ist dermaßen eindringlich und faszinierend. Diese Geschichte geht wahrlich in die Tiefe und berührt zutiefst. Den einen Protagonisten liebt man, den anderen findet man durch und durch unsympathisch, und trotzdem möchte man am liebsten nie von dem Roman ablassen.

Wer die ersten beiden Klima-Romane von Lunde gemocht hat, wird auch von Die Letzten ihrer Art begeistert sein. Die aufwühlenden Geschehnisse, Lundes geschickt feinfühlige Erzählkunst und nicht zuletzt das nicht weit hergeholte Klimaszenario aus 2064, das uns alle in unserer Zukunft so oder so ähnlich betreffen könnte, machen diesen Roman zu einem aufregenden Leseerlebnis, das man so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommt.



Persönliche Bewertung




Die Autorin

© Oda Berby

Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Sie ist eine bekannte Drehbuch- sowie Kinder- und Jugendbuchautorin. Die Geschichte der Bienen ist ihr erster Roman für Erwachsene, der zunächst national und schließlich auch international für Furore sorgte. Er stand monatelang auf der norwegischen Bestsellerliste und wurde mit dem Norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet.



Kommentare:

  1. Liebe Janine

    Ich habe nur "Die Geschichte der Bienen gelesen" und fand das schon wirklich toll. Die vielen positiven Rezensionen zu den weiteren Werken der Autorin haben mich schon neugierig gemacht und ich habe sie mir bereits auf die Wunschliste gesetzt. Deine begeisterte Rezension lässt das Buch noch ein wenig nach oben rutschen, vielen Dank für die überzeugende Empfehlung.

    Alles Liebe
    Livia

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    1. Liebe Livia,

      das freut mich, dass dich meine Rezension zusätzlich überzeugen konnte. :) Ich finde es ja fast ein bisschen schade, dass ich vom Klima-Quartett nun nur mehr ein Buch zu lesen habe. Aber vielleicht überrascht uns Lunde in der Zukunft ja auch noch mit dem einen oder anderen spannenden Roman? Ihre Art zu schreiben begeistert mich jedenfalls sehr.

      Alles Liebe!

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  2. Hallo Janine! :)
    Ich habe bisher nichts von Lunde gelesen, obwohl ich ihre Bücher schon so oft in der Buchhandlung in der Hand hatte. Da mich die Klima-Thematik sehr interessiert und ich jetzt schon so viel positives darüber gelesen habe, werd ich mir ihre Romane aber wohl mal genauer ansehen müssen! :-)

    Ich wünsch dir einen schönen Tag!
    Sonnige Grüße aus Salzburg
    Nana

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    1. Liebe Nana,
      danke für deinen Besuch! Auch ich kann dir Lundes Werke nur ans Herz legen. Wenn du dich für die Klima-Thematik interessierst, dann sind die Bücher sicher das Richtige für dich.
      Alles Liebe,
      Janine

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  3. Vielen Dank für den Ausschnitt und die Rezension. Ich fand das Buch super, bin aber erst durch dich jetzt auch noch mal weiter dahintergestiegen. Du hast hier einen wirklich tollen Blog aufgebaut! FInde ich super. Mach weiter so! :-)

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  4. Hallo Janine

    Bis auf die Schneeschwester habe ich bisher noch kein Buch der Autorin gelesen. Aber ich werde das ändern. Die Themen interessieren mich sehr. Dein Fazit klingt gut. Komplett lese ich mir deine Rezi durch, wenn ich das Buch gelesen habe.

    Liebe Grüße,
    Gisela

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    1. Hallo liebe Gisela,
      "Die Schneeschwester" kenne ich wiederum noch nicht. Aber irgendwie sagt mir der Titel etwas - ist das nicht ein Kinderbuch?
      Die Themen sind wirklich sehr interessant. Lass es mich doch bitte wissen, wenn du eines der Bücher gelesen hast - deine Meinungen dazu würde ich auch gerne lesen. :)

      Alles Liebe,
      Janine

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