[Rezension] Nestwärme, die Flügel verleiht | Stefanie Stahl & Julia Tomuschat

Samstag, 15. Januar 2022

 
Seiten: 231
deutsche Ersterscheinung: 8. Dezember 2018
ISBN: 9783833867255
Format: Klappenbroschur
Preis: [A] 18,50 €  |  [D] 17,99 €
Untertitel: Halt geben und Freiheit schenken – wie wir erziehen, ohne zu erziehen
Genre: Ratgeber, Sachbuch, Lebenshilfe, Kindererziehung

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Mein Lesezeitraum: 21. Okt. - 16. Nov. 2021  (= 27 Tage)




Buchrückseite


Von der Erziehung zur Beziehung – das Geheimnis glücklicher Familien

Alle Eltern wünschen sich vom Tag der Geburt an, dass ihr Kind zu einer selbstbewussten und stabilen Persönlichkeit heranwachsen darf. Dies gelingt am besten auf der Basis eines guten Selbstwertgefühls und in der Balance von Bindung und Autonomie.

Das Gleichgewicht von Grenzen und Freiräumen herzustellen ist manchmal gar nicht leicht, da jeder in seiner Kindheit bestimmte »Erziehungsmuster« mitbekommen hat. Diese alten Muster können so stark wirken, dass sie die Beziehung von uns Eltern zu unseren Kindern schwächen und uns verunsichern.


Die Psychologinnen Stefanie Stahl und Julia Tomuschat zeigen, wie wir uns Schritt für Schritt mit den eigenen Prägungen und Glaubenssätzen auseinandersetzen, diese erfolgreich auflösen und so unsere Kinder liebevoll beim Großwerden begleiten können. Wir lernen für jedes Kind in jedem Alter, das richtige Maß an Nestwärme zu schenken und gute Fluglehrer zu sein.

Erster Satz

 
Alle Eltern wollen, dass ihre Kinder glücklich sind und später einmal lebenstüchtige Erwachsene werden.


Meine Meinung


Damit die Prägungsfalle nicht mehr zuschnappt ...

"Als Erwachsene haben wir oft das Gefühl, dass unsere Art, Beziehungen zu leben, einfach mit unserem Charakter zu tun hätte. ... Doch wir übersehen, dass es weniger mit unserem Charakter zu tun hat, sondern sehr viel mehr mit unseren frühen Prägungen durch unsere Eltern. Sie sind die Basis für unser Fühlen, Denken und Handeln in Beziehungen."

Mit diesem Zitat von Seite 38 möchte ich nun meine Rezension beginnen. Früher, als Jugendliche und junge Erwachsene, dachte ich auch, dass die Art, wie ich bin, mir einfach angeboren ist. Als Mama von zwei kleinen Kindern ist mir dann aber klar geworden, dass dem absolut nicht so ist. Man bemerkt an sich selbst Verhaltensweisen, die dem Verhalten der eigenen Eltern stark ähneln. Besonders, wenn man dann mit seinen eigenen Kindern in Stresssituationen zu tun hat. Und im selben Zug habe ich auch gemerkt, dass es gar nicht leicht ist, sich "einfach" so zu verhalten, wie man das für richtig hält, denn Prägungen können ganz schön mächtig sein. Wenn ich mit meinem Mann über diese Thematik gesprochen habe, er hat das Buch nämlich auch gelesen, fiel oft das Wort "kaputtgeprägt". Wie kann man denn bitte anders sein als seine nächsten Bezugspersonen aus der Kindheit, wenn man nie etwas anderes vorgelebt bekommen hat? Kinder kommen nicht mit "ihrem" Verhalten auf die Welt, sie schauen sich eben jenes von ihren Eltern ab und legen dasselbe Verhalten später auch bei ihren eigenen Kindern an den Tag. - Wenn sie es sich nicht bewusst machen und anfangen, an sich zu arbeiten.


~ »Es sind nicht die Ereignisse an sich, die uns die Probleme 
bereiten, sondern unsere Interpretation der Ereignisse.« ~
(S. 89)

Vor dieser Lektüre wusste ich ja nun schon einiges über diese Thematik, hatte bereits einiges an Erfahrungen sammeln dürfen und auch schon Vieles diesbezüglich verstanden. Trotzdem konnte ich noch für mich Neues in dem Buch entdecken und ich war sehr erstaunt darüber, wie unheimlich genau die Autorinnen über all die Vorgänge in der menschlichen Psyche und die damit einhergehenden (unbewussten) Verhaltensweisen Bescheid wissen und dies hierin vermitteln können. Nicht nur einmal habe ich mich bestätigt und sehr verstanden gefühlt. Das tat gut.


Es ist die Rede davon, dass Selbstwertgefühl ein großer Lösungsansatz sein soll. Denn durch das Verhalten unserer Kinder können unsere negativen Glaubenssätze getriggert werden. Zum Beispiel: Ich genüge nicht, es sieht mich niemand, ich bin unwichtig, ich bin nicht liebenswert. Man nimmt das trotzige Verhalten persönlich, bezieht es auf sich. Die Folge: wir fühlen uns schlecht, wir fühlen uns als Versager und verlieren die Nerven. Durch Aufbau des Selbstwertgefühls soll dem entgegengewirkt werden. Klingt für mich logisch und absolut verständlich. Im Buch gibt es einige Angebote, wie man das schaffen kann. Auch mit Hilfe der sogenannten Reflexionsinseln im Buch kann dies erreicht werden. Auch wichtig zu erwähnen, ist die Bezugnahme auf das Sonnenkind, das Schattenkind und das Erwachsenen-Ich, die aus "Das Kind in dir muss Heimat finden" bekannt sind. Um erfolgreich Nestwärme schenken zu können, führt wohl kein Weg daran vorbei, sich mit diesen inneren Anteilen zu beschäftigen. Die bestimmen maßgeblich unser Leben, sowie die Art, wie wir mit unseren Kindern umgehen.

~
»Es
ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit
(Erich Kästner - S. 119)

Persönliche Bewertung





Die Autorinnen


Quelle

Stefanie Stahl ist Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin in freier Praxis in Trier. Sie beschäftigt sich vor allem mit den Themen Bindungsangst, Stärkung des Selbstwertgefühls und Arbeit mit dem »inneren Kind«. Als Bestsellerautorin hat Stefanie Stahl unter anderem die Bücher »Das Kind in dir muss Heimat finden« und »Jeder ist beziehungsfähig« geschrieben und damit ein Millionenpublikum erreicht.






Quelle

Julia Tomuschat ist Diplom-Psychologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie arbeitet als Trainerin und Gesundheitspsychologin in den Bereichen Betriebliches Gesundheitsmanagement, Teamentwicklung, Selbstmanagement und Persönlichkeitsentwicklung. 2008 gründete sie die »Praxis für Gesundheitsförderung« in Lauf an der Pegnitz. Julia Tomuschat ist verheiratet und hat zwei Kinder. www.sonnenkindprinzip.de

 

2 Kommentare:

  1. Hey meine Liebe

    Wie schön, auch hier wieder von dir zu lesen :-)

    Das klingt wirklich nach einem super spannenden Buch und ich finde es schön, dass der Einfluss des Umfelds so konkret und anschaulich thematisiert wird und dass sich die Pädagogik und Erziehungswissenschaft endlich davon löst, die Art eines Kindes nur als "gegeben" hinzunehmen. Klar, ein gewisses Mass an Charakter, Vorlieben usw. hat man sicher von Geburt an. Einige Kinder sind von Anfang an ruhiger, andere aktiver, auch haben sie ganz unterschiedliche Interessen usw. obwohl sie im gleichen Haushalt aufgewachsen sind. Meine Geschwister und ich sind Tag und Nacht, obwohl wir einige gemeinsame Hobbys haben und auch unsere Berufe sich alle im künstlerischen/pädagogischen Bereich ansiedeln lassen.

    Um so schöner, dass man auch die Chancen sehen kann, welche unterschiedliche Charaktereigenschaften und Veranlagungen gemeinsam mit einem fördernden Umfeld bieten und das Stichwort ist hier wohl "Chance" (und leider auch "Privileg"). Wenn man ganz viele Dinge ausprobieren und sich selber entdecken darf, wenn man ganz viele Dinge vorgelebt bekommt und trotzdem eine eigene Meinung entwickeln kann, hat man wohl die unterstützendsten Voraussetzungen.

    Das Buch und auch "Das Kind in der muss Heimat finden" möchte ich auf jeden Fall einmal lesen. Vielen Dank für deine begeisterte und differenzierte Vorstellung.

    Alles Liebe an dich
    Livia

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