[Rezension] Mein bester letzter Sommer | Anne Freytag

Montag, 24. Juli 2017


Seiten: 365
Verlag: Heyne fliegt
Ersterscheinung: 8. März 2016
ISBN: 9783453270121
Format: Taschenbuch
Preis: [A] 15,50 €  |  [D] 14,99 €
Genre: Jugendroman

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Mein Lesezeitraum: 12. - 22. Juli 2017 (= 11 Tage)




Der Klappentext
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Wer will schon etwas mit einer 17-jährigen Jungfrau ohne Führerschein zu tun haben, die noch dazu bald sterben wird? Niemand. Davon zumindest ist die schüchterne Tessa überzeugt und verbarrikadiert sich seit Wochen in ihrem Zimmer.
Tessa ist schwer krank - jeder Schlag ihres Herzens könnte ihr letzter sein. Das macht sie traurig und wütend. Wütend, weil sie ihr Leben nicht mehr leben, nie das Abi feiern oder in eine WG ziehen kann. Tessa wird nie in Oxford ans Konservatorium gehen oder einen Jungen küssen. Doch dann taucht plötzlich Oskar auf. Und er lässt nicht locker. Auch nicht, als Tessa ihn wegzustoßen versucht. Und so findet sich Tessa plötzlich mit Oskar und seinem klapprigen Volvo in Italien wieder und stellt fest, dass jeder Tag, jede Stunde das pure Glück bedeuten kann, wenn du sie mit dem Menschen verbringst, der dich so liebt, wie du bist ...


Der Erste Satz
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Die großen Kopfhörer liegen weich auf meinen Ohren und verschlucken die Außenwelt.


Meine  Meinung
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Hat was von »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«.

»Mein bester letzter Sommer« ist ein Roman, der meines Erachtens schon seit seiner Erscheinung so gehyped worden ist, wahrscheinlich ähnlich wie »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«. Und genauso wie in John Greens Geschichte geht es hier um zwei Jugendliche, die nur begrenzt lange Zeit miteinander verbringen können. Einer von den zweien stirbt nämlich schon bald. In diesem Buch ist es Tessa. Und ich finde, das lässt die Protagonistin uns Leser auch ständig wissen: so oft und teilweise makaber, dass es mir persönlich zu viel war. Das ist der Grund, weshalb Tessa mir anfangs eher unsympathisch war: sie spricht mir zu häufig völlig emotionslos über ihren Tod, übers Sterben im Allgemeinen und macht schlechte Scherze darüber. Galgenhumor würde man das nennen. - Ist nicht ganz das, worauf ich stehe.

Bis ca. Seite 100 hat man auch nicht gewusst, was eigentlich mit Tessa los ist. Dass irgendwas mit ihrem Herzen nicht stimmt und sie deswegen wohl bald das Zeitliche segnen wird, stand da, nichts aber von einer genauen Diagnose, unter der man sich mehr vorstellen hätte können. Erst dann hat man erfahren, dass ihr Herz seit ihrer Geburt "ein Loch" hat und ihre Lungenschlagader fehlt, aber den genauen Grund, warum sie denn gerade jetzt sterben soll/wird, hat man bis zum Schluss nicht herauslesen können.

Ich liebe alles an ihm, aber am meisten liebe ich, wie lebendig ich mit ihm bin. Und wie oft er mich vergessen lässt, dass ich es nicht mehr lange sein werde.
(S. 271)

Oskar, der perfekte Oskar 

Und dann, in der wahrlich ungünstigsten Zeit ihres Lebens, taucht plötzlich dieser Junge auf, Oskar.
Allein dieses erste einander Erblicken und Ansehen wird schon so unwirklich magisch beschrieben, dass ich mir bereits da gedacht habe, dass die weiteren Situationen mit Oskar nur ähnlich kitschig ablaufen können. Großteils war dem dann auch so ...
In Tessas Augen ist Oskar ein Gott, ein übermenschliches Wesen. Sie glorifiziert ihn vom Scheitel bis zur Sohle. Deshalb, und weil ihr ja auch bewusst ist, dass ihre Tage hier auf Erden gezählt sind, ist sie wahrscheinlich auch so nachdenklich, verkrampft und eifersüchtig. Auf diese Weise verkompliziert sie leider alles. Man fragt sich manchmal wirklich, warum Oskar sich das mit ihr "antut".

Meine Rezension liest sich bisher wahrscheinlich eher wenig begeistert. Zur Verteidigung der Geschichte muss man aber auch betonen, dass »Mein bester letzter Sommer« als Jugendbuch ab 14 Jahren ausgewiesen ist und ich finde, genau so wirkt es auch: Ein bisschen zu romantisch und zu perfekt um wahr zu sein. Jugendliche, die verliebt sind (in Tessas Fall sogar zum ersten Mal!), haben eben manchmal diesen Blick auf den Stand der Dinge, denke ich. Ich glaube, das hat Anne Freytag ganz gut eingefangen.

Ich dachte, ich gehe als unbeschriebenes Blatt, aber das werde ich nicht. Oskar hat Spuren hinterlassen. Seine Gefühle in meinem Herzen, seine Stimme in meinem Kopf und seine Hände auf meiner Haut. Ich glaube, ich habe es verstanden. Liebe ist genug. Und ich wurde geliebt.
(S. 350)

Aber außerdem enthält diese Geschichte eine wunderschöne Botschaft. Je mehr Zeit die beiden gemeinsam auf ihrem Roadtrip durch Italien verstreichen lassen (und es ist wirklich nicht viel Zeit), desto mehr kann man auch die Veränderung in Tessa beobachten. Ihr Tod naht und sie versteht immer mehr die Bedeutung des Lebens und versucht das auch in ihr noch vorhandenes Leben zu integrieren. Das fand ich wirklich schön: dass Tessa letztlich verstanden hat, worum es geht und sie das glücklich gemacht hat.
Die letzten Seiten fand ich sehr berührend, sie haben mich schlussendlich doch noch mit der Geschichte versöhnt und mich etwas traurig zurückgelassen.

Wer über meine Kritikpunkte hinwegsehen will und kann, sollte sich dieses Buch gönnen. Die letzten Seiten und die schöne Botschaft darin (Worum es im Leben wirklich geht!) sind die Lektüre auf jeden Fall wert.


Persönliche Bewertung
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Der Buchtrailer
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Weitere Buchzitate
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~ Das Blöde daran, sich selbst zu belügen, ist, dass man es meistens mitbekommt. ~ 
(S. 45)

~ Perfekt sein ist anstrengend, vor allem weil man es nie schaffen wird. ~  
(S. 93)

~ Ich glaube, man kann nicht mit vielen Menschen wirklich reden. Ich meine so richtig. Über Dinge, 
die man eigentlich nicht sagen will oder von denen man denkt, dass man sie nicht sagen kann. ~  
(S. 107)

~ Ist es nicht komisch, dass ein und dieselbe Sache so anders aussehen kann, je nachdem, aus welcher 
Perspektive wir sie betrachten? Die einen sehen eine Pusteblume, die anderen einen Wunsch. ~ 
(S. 181)

~ Die Menschen denken immer an morgen, als wäre es ein Versprechen. So, als hätten sie eine Garantie, 
dass es ein Morgen geben wird. Wenn man weiß, dass man bald stirbt, traut man sich das nicht mehr. ~ 
(S. 182)

~ Der Verstand hat keine Chance, wenn das Herz einmal entschieden hat, was es will. ~  
(S. 186)

~ Wenn man die Angst erst einmal hinter sich gelassen hat, warten neue Welten. ~  
(S. 186)

~ Es ist komisch zu gehen, wenn man nicht weiß, ob man wiederkommt. ~ 
(S. 189)




Die Autorin
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© Michael Tasca

Anne Freytag, geboren 1982, hat International Management studiert und für eine Werbeagentur gearbeitet, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Die Autorin veröffentlichte bereits mehrere Romane für Erwachsene, unter anderem unter ihrem Pseudonym Ally Taylor. Mit ihrem ersten Jugendbuch Mein bester letzter Sommer schrieb sie sich direkt in die Herzen ihrer Leser. Der Roman wurde von Buchhändlern und der Presse gleichermaßen gefeiert und auf der Leipziger Buchmesse für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 nominiert. Anne Freytag liebt Musik, Serien sowie die Vorstellung, durch ihre Geschichten tausend und mehr Leben führen zu können.

In diesem Leben wohnt und arbeitet sie derzeit in München - wenn sie nicht gerade in ferne Länder und fremde Städte reist. Manchmal auch nur in Gedanken ...


Ein kurzes Interview mit der Autorin könnt ihr euch HIER durchlesen. 

-) Anne Freytags Website
-) Anne Freytag auf Facebook





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Weitere Bücher der Autorin
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Kommentare:

  1. Hallo liebe Janine

    Schade, dass dieses Buch bei dir nicht so gut angekommen ist.
    Mir hat es insgesamt ein wenig besser gefallen als dir (auch wenn es zu kitschig war, klar), ich war aber einfach vom Ende sehr enttäuscht.

    Aber: ich habe "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" nicht gelesen (Asche über mein Haupt) und deshalb war "Mein bester letzter Sommer" für mich das erste Jugendbuch dieser Art. Ich denke, wenn man beide Bücher kennt, die ja doch sehr ähnlich scheinen, wenn man den Kritikern glaubt, kommt man sicher eher immer wieder ins Vergleichen hinein.

    Hingegen: wahrscheinlich werden wir Menschen uns im Angesicht des nahenden Todes auch wieder ähnlich, wollen Dinge regeln, den Liebsten Briefe schreiben, noch ein Abenteuer erleben, usw. Da gibt es irgendwann nicht mehr wirklich viel Handlungsspielraum für die Autoren.

    Ganz liebe Grüsse dir
    Livia

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    1. Liebe Livia!

      Kann sein, dass ich einfach schon zu viele Bücher dieser Art bzw. Bücher über den Tod/das Sterben gelesen habe und dadurch zu Vergleichen neige. Es gab eben ein paar Dinge, die mich gestört (vor allem was Tessa angeht) und irgendwie schwerer gewogen haben als die Szenen, die ich schön fand.
      Gerade habe ich mir deine Rezension noch durchgelesen (ich habe leider gar nicht mitbekommen, dass du das Buch kurz vorher gelesen hast ...) und genauso wie du, fand ich Tessas dauernde Gefasel über ihre noch vorhandene Jungfräulichkeit und den fehlenden Führerschein, das sie ja ach so schlimm findet, einfach nervtötend. Ich meine, sie ist 17 und keine 40 ... Was mir auch lästig war: ihre ständigen Eifersuchts-Anwandlungen. Sie war ja schon eifersüchtig, als ein irgendein Mädchen mit Rock an Oskar und ihr vorbeigegangen ist oder sie diesen Traum mit ihrer Freundin Tine hatte ...

      Aber siehst du, dafür hat mir das Ende wieder mehr zugesagt als dir. ;)
      Ich glaube auch, dass der Handlungsspielraum für Autoren, die über den nahenden Tod schreiben, nicht wirklich groß ist. Aus deinen eben genannten Gründen. Aber dass das, was die Menschen am Ende ihres Leben noch machen (wollen), meist ziemlich ähnliche Sachen sind, kritisiere ich gar nicht. Nicht das, was Tessa und Oskar gemacht/erlebt haben, hat mir nicht gefallen, ich fand mehr Tessas Gedankenwelt irgendwie unpassend. Ich bin nur froh, dass sie sich bis zum Schluss noch entwickelt hat und man eine Veränderung in ihrem Innenleben feststellen konnte.

      Alles Liebe! :)

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  2. Liebe Janine,

    vielen Dank für deinen lieben Kommentar auf unserer Seite. Ich habe natürlich nichts dagegen, dass du uns verlinkt hast, ich freue mich eher darüber :) Vielen liebe Dank dafür.

    Ich habe mir auch gerade deine Rezension durchgelesen und finde sie sehr gut - vor allem, dass du die Bilder hinzugenommen hast, gefällt mir ;)

    Liebe Grüße von mir
    Lilith

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    1. Danke für die Erlaubnis, liebe Lilith! :-)

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  3. Hallo liebe Janine!

    Ich habe das Buch auf meinem SuB und immer noch nicht gelesen, da ich eine Zeit lang einfach keine Geschichten über den Tod oder Krankheiten vertragen habe. Jetzt könnte ich mich wieder vorsichtig daran wagen, vor allem weil noch Sommer ist und ich diesen für sommerliche Lektüre nutzen möchte. :) Deine Kritik kann ich verstehen, denn wenn man jung ist hat man eben manchmal noch diese rosarote Brille auf. Und sicherlich wollte die Autorin den Roman auch romantisch und positiv gestalten, trotz der schlimmen Thematik, die dann ja sowieso immer mitschwingt. Gut, dass die Botschaft am Ende dich dann doch noch positiv zurück gelassen hat. :)

    Liebste Grüße
    Nina

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    1. Liebe Nina! :)

      Auf meinem SuB lag das Buch auch schon ein Jahr, aber nicht weil ich Geschichten dieser Art nicht vertragen hätte, bei mir ist es sich im vorigen Sommer einfach nicht mehr ausgegangen und bei dem Buch wollte ich, dass es auch zur aktuellen Jahreszeit passt. ;)

      Eigentlich ist, ganz objektiv betrachtet, auch gar nichts Schlechtes an der Tatsache, dass Anne Freytag die Geschichte irgendwie kitschig gestaltet hat. Sie hat ihr Buch halt ziemlich authentisch aus der Perspektive einer sehr verliebten 17-Jährigen geschrieben. Dass ich mit so einem Blick in dem Alter aber nichts (mehr) anfangen kann, dafür kann die Autorin/ihr Buch ja nichts. ;)

      Alles Liebe,
      Janine

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  4. Hallo Janine!
    Danke für deinen lieben Kommentar auf meiner Seite! Ich freue mich natürlich sehr über die Verlinkung! :-D
    Deine Kritikpunkte kann ich gut nachvollziehen - wobei mir Tessas schonungslose Ehrlichkeit und ihr Galgenhumor gut gefallen haben. Das passt einfach zu ihrem Typ und ihrer aussichtslosen Lage!
    Ich hatte vielmehr ein Problem mit den Parallelen zu "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" und "Ein ganzes halbes Jahr" - in gewisser Weise wurden hier einfach die größten Taschentuchmomente beider Geschichten in einen Topf geworfen plus einer Prise frischen Wind (Roadtrip)... ;-)

    Alles Liebe,
    Lea-Sophie

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    1. Hallo Lea-Sophie,
      ich musste "Mein bester letzter" Sommer auch mit diesen beiden Büchern vergleichen - mehr noch aber mit "Das Schicksal ist ein mieser Verräter". Wenn man das eine Buch schon so gut fand, dann ist es meist schwierig für ein nachfolgendes da mitzuhalten. Aber ganz gleich war es ja doch nicht, wie du schon schreibst, es war eine Mischung mit einer Prise frischen Wind. ;)

      Alles Liebe! ♥

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  5. Hallo liebe Janine,
    wow, was für eine tolle Seite! :)
    Und Respekt, wie viel Arbeit Du Dir mit jeder Rezension machst!
    Danke für Deinen Kommentar und meine Erwähnung. :)
    Liebe Grüße,
    Tabea

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