[Rezension] Der Untergang Barcelonas | Albert Sánchez Piñol

Sonntag, 7. Juni 2015


Informationen zum Buch:

-) Seiten: 701
-) Verlag: S. Fischer
-) Ersterscheinung: 5. März 2015
-) ISBN: 9783100616074
-) Format: Hardcover mit Schutzumschlag
-) Wert/Preis: [A] 25,70 €   [D] 24,99 €
-) Originaltitel: Victus
-) Genre: Historischer Roman
-) Wissenswertes: Autor kündigt hier eine Fortsetzung des Romans an

Zum Buch? - Verlagshomepage
Reinlesen? - Leseprobe 

Lesezeitraum: 25. Mai - 7. Juni 2015



Der Autor: 

Foto: Andreu Puig

Gleich mit seinem Debüt Im Rausch der Stille gelang Albert Sánchez Piñol der internationale Durchbruch, es folgte sein viel gerühmter Roman Pandora im Kongo. Nun stellt Piñol mit Der Untergang Barcelonas seine mitreißende Erzählkraft erneut unter Beweis. Der Untergang Barcelonas wurde ein Bestseller und das meistverkaufte Buch Spaniens 2013.











Der Buchtrailer:



Der erste Satz:

Wenn der Mensch als einziges Lebewesen einen geometrisch begabten, rationalen Geist besitzt, warum kämpfen die Wehrlosen dann gegen den Mächtigen und gut Gerüsteten?


Der Inhalt:

Barcelona um 1700: Zuvi ist vierzehn, etwas großmäulig, ein Taugenichts mit rabenschwarzem Haar. Als ihn der Graf Vauban auf sein Schloss einlädt, ändert sich Zuvis Leben schlagartig. Vauban, der berühmteste Baumeister seiner Zeit, lehrt ihn, die sichersten und schönsten Festungsmauern zu bauen, und Tochter Jeanne führt ihn in die Liebeskunst ein. Aber dann tobt der Spanische Erbfolgekrieg und Zuvis Heimatstadt Barcelona droht, eingenommen zu werden. Zuvi, inzwischen vom Leben gereift, unternimmt alles, um seine geliebte Stadt zu retten.


Meine Meinung:

Krieg: ein grausames Spektakel

Vom ersten Achtel des Buches war ich noch recht begeistert.
Der junge Zuvi, der eine Lehre zum Ingenieur beim berühmten Vauban in Frankreich beginnt, fand ich in seinem leicht naiven, tollpatschigen, aber auch intelligenten und gutmütigen Wesen eigentlich sehr liebenswert und der zum einen spitzbübische und zum anderen Teil zynische Humor hat ebenfalls sehr erfrischend auf mich gewirkt.

Das gesamte Buch wird aus der Sicht des nun bereits 98-jährigen Zuvis erzählt: also eigentlich hat er es der 'lieben grässlichen' Österreicherin Waltraud diktiert, die er zwischenzeitlich auch immer mal wieder persönlich anspricht bzw. beleidigt, was vielleicht lustig hätte sein sollen, aber nicht immer war, da es meines Erachtens hauptsächlich Beleidigungen unter der Gürtellinie waren, die jemanden zum Weinen bringen können, was die gute Waltraud dann ja manchmal auch getan hat ...

Leider gab es dann auch Phasen, die für mich weniger interessant waren und es mir schwer gefallen ist, der Geschichte zu folgen. Ein Abschweifen war die Folge und ehrlich gesagt, kann ich gar nicht sagen, worum es da genau gegangen ist, da ich währenddessen mit meinen Gedanken überall war, nur nicht in der Geschichte. Aber es dürfte wohl um die Ingenieurskunst, den Bau von Bastionen und diverse Kriegs- und Abwehrerzählungen gegangen sein.
Als dann wieder die Phasen kamen, die mich mehr fesseln konnten (die aber leider deutlich weniger vorhanden waren) hatte ich dann natürlich das Problem, dass ich mit den Namen, die aufgetaucht sind wenig bis gar nichts anfangen konnte, da ich nicht wusste, mit wem oder womit ich sie in Verbindung bringen soll.

Die letzten 100 Seiten des Buches fand ich glücklicherweise wieder spannend, da es darin dann wirklich (kriegsmäßig) zur Sache ging. Ja, der letzte Teil war verstörend und grausam. Dass der Krieg viele (unschuldige) Opfer fordert, weiß ich, aber das in der ganzen Bandbreite und seinem Schrecken zu lesen, kann schon ganz schön aufwühlend sein: ein Schlachtfeld, und überall Menschen mit fehlenden Gliedmaßen, Leichen und noch mehr Tote. Und obwohl das Ganze nicht allzu brutal oder blutig beschrieben wurde, ist es dennoch erschreckend zu wissen, dass so ein Massaker (ein anderes Wort fällt mir dazu gar nicht ein) tatsächlich einmal stattgefunden hat. 
S. 634

Aber mein Gesamteindruck ist gar nicht so schlecht, wie ich zwischendurch gedacht habe. Die Seiten, die für mich nicht spannend und interessant waren, haben zwar schon in etwa die Hälfte des Buches ausgemacht, die fesselnden Phasen fand ich dafür dann aber umso lesenswerter.

Ich vergebe 4 Sterne für eine Geschichte, die mir wirklich gut recherchiert scheint, zwischendrin sehr spannend war, mich aber trotzdem wegen gewisser thematischer Erzählungen nicht immer brennend interessiert hat.


Persönliche Bewertung:

*          *          *          *          *          *          *          *          *           *           *          *          *

Buchzitate:

Manche Leute sehen schlecht hin und bemerken noch weniger. ~ (S. 25)

 "Huihui!", rief ich. "Sie haben ja mindestens fünfzig
Bücher! Wer auf der Welt hat so viel gelesen?" ~ (S. 38)

 Es ist seltsam, ein kleines Kind beklagt sich weniger über die Schläge, die es
erhalten hat, als über die Umarmungen, die es nicht bekommen hat. ~ (S. 61)

Das Ende aller Kriege! Was für eine Ironie. Schon Platon hat
gesagt: Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen. ~ (S. 131) 

"Den Mut erlernt man, wie ein Kind das Sprechen lernt. ...
"Der liebe Gott hat eine unsichtbare Schranke zwischen jeden Menschen und 
sein Schicksal gestellt. Unsere Lebensaufgabe ist es, sie zu überwinden, darüber
hinauszugehen, den Mut aufzubringen, die andere Seite zu entdecken." ...
"Was auch immer sich dort befinden mag." ~ (S. 336)

 Vielleicht ist nur eines trauriger als zuzusehen, wie das Glück sich entfernt:
Wenn man sich selbst von ihm entfernt, aus eigenem Antrieb. ~ (S. 474)

Kommentare:

  1. Hallo liebe Janine,

    schade, dass das Buch zwischendurch nicht ganz so toll war, aber immerhin hast du ja doch noch vier Sterne vergeben können.

    Die neu Grafik gefällt mir sehr gut, vor allem liebe ich die Kategorie "Meh." :D

    Das Zitat von Seite 38 ist ja auch süß. Da kann unsereins nur drüber lachen.

    Den Ausspruch von Platon finde ich sehr erschreckend, aber leider ist das ja wahr.

    Bis später bei Erbarmen ;)

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    1. Grüß' dich! :)

      Ich war an den zwei freien Wochenendtagen fleißig und habe die letzten 240 Seiten von "Der Untergang Barcelonas" und die hälfte des Buches "Gleis 4" gelesen, also wie es aussieht schaffe ich es doch mit den 3 Task-Challenge Aufgaben. ;)
      Jap, der Gesamteindruck war einfach zu gut für "Naja. Geht so."^^, da die mich der tolle Schreibstil in den interessanten Leseabschnitten so fesseln konnte. Und ich glaube sogar, dass es irgendwann eine Fortsetzung zu dem Buch geben wird, weil doch ein paar Fragen offen geblieben sind. Ich denke, den werde ich dann wohl auch lesen, denn mich interessiert es doch sehr, was mit Zuvi weiterhin geschieht.

      Danke! Ich habe schon länger darüber nachgedacht, was ich mit meiner Bewertung anstellen soll, weil ich mit diesen einfachen ***** nicht zufrieden war. Irgendwann habe ich dann diese Grafik ausgetüftelt und jeden Tag ein bisschen dran gearbeitet (hat etwas länger gedauert). ;D Aber ich benutze sie sogar schon seit meiner vorigen Rezension: "Die Mitternachtsrose".

      Das Zitat auf S. 38 hat mir wirklich gut gefallen, ich musste so drüber lachen, als ich es gelesen habe und wollte es einfach mit euch in meiner Rezension teilen. :-))

      Alles Liebe ♥ und bis später! Ich bin wild entschlossen, heute einen großen Teil vom ersten Erbarmen-Abschnitt zu lesen, vielleicht schaffe ich ja sogar den ganzen, mal sehen, was heute so ansteht ... ;-)

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    2. Suuuuper, dafür sieht es bei mir momentan nicht so gut aus mit den Aufgaben. Mein grünes Buch hab ich bereits abgebrochen und das HC/TB Buch hab ich auch aussortiert. Für die Aufgabe hab ich allerdings noch was, falls die Zeit da ist, aber ich glaub ein grünes wird schwierig. ^^

      Erwischt, die hab ich nicht gelesen :D

      Ich hab die ersten 50 Seiten schon gelesen und denke, ich schaffe die anderen 50 später noch. Ich hab heut irgendwie einen Lauf und arbeite schon das dritte Buch für die Uni durch :D Außerdem sind die Kapitel alle kurz, das heißt man kommt schnell durch, finde ich. Also bei "Erbarmen".

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