[Rezension] Gestorben lebt man besser | Cara-Julie Kather

Donnerstag, 28. April 2016



» Seiten: 326
» Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
» Ersterscheinung: 29. März 2016
» ISBN: 9781530783700
» Format: Taschenbuch
» Preis: 11,72 €
» Genre: Roman
» Wissenswertes: Die Covergestaltung beruht auf dem bearbeiteten Kunstwerk »perseverer« von Jasmin Mollo.

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Mein Lesezeitraum: 22. - 25. April 2016





Die Buchrückseite
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Carter Dayle ist 23 Jahre alt und bereits unumstößlich überzeugt, die einzig wahre Antwort auf die drängende Frage, wie man am besten lebt, zu kennen. Nämlich gestorben. Eine Überzeugung, für die sie Morde begeht.
Eine Überzeugung, die sie in die Psychiatrie bringt. Zu ihm. Johan Doss, einem hübschen Seelenklempner, der sie irgendwie anders behandelt als jeder andere. Beide sind auf irritierende Weise von dem anderen angezogen.
Durch ihr Verhältnis gefährdet jeder der beiden einen wichtigen Teil von sich. Doch kann man jemanden wieder gehen lassen, der einfach so anders ist als alle anderen?


Der Erste Satz
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Ich keuche auf, als ein nie dagewesener Schmerz meinen Körper durchfährt.


Meine  Meinung
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Konnte mich leider nicht überzeugen.

Der Titel des Buches war gleich das erste, was mich nachdenklich werden hat lassen: Lebt man gestorben wirklich besser? - Was heißt das überhaupt? Wie kann man gestorben denn (besser) leben?
Diese Fragen hatte ich vor dem Lesen im Kopf und ich habe mir erhofft, befriedigende Antworten darauf zu bekommen ... Ich muss gestehen, dass ich wegen dem Titel die Hoffnung hatte, eine Geschichte geboten zu bekommen, über die man wenigstens ein bisschen philosophieren kann. Das war hier aber leider nicht der Fall. Allerdings habe ich während dem Lesen trotzdem über die Frage, ob man gestorben besser lebt, nachgedacht. Ich habe sie für mich selbst beantwortet: ich denke, wenn man körperlich gestorben ist, lebt man gar nicht. Und wenn man zwar am Leben ist, sich aber irgendwie tot fühlt, lebt man auch nicht - zumindest nicht so wie es sein sollte. Also in beiderlei Hinsicht kann man in meinen Augen gestorben sicher nicht (besser) leben.

Ich weiß nicht, wozu das Leben gemacht ist, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass nur die Wenigsten das daraus machen, was daraus gemacht werden sollte.
(S. 90)

Also, wo fange ich an? Ich starte mit den Fehlern im Buch, die mich meistens SEHR gestört haben. Auf jeder Seite, manchmal sogar mehrmals in einem Satz, sind mir Rechtschreib-, Grammatik- und/oder falsche bzw. fehlende Satzzeichen ins Auge gestochen, die meinen Lesefluss enorm beeinträchtigt haben. Kann sein, dass ich als aufmerksame Leserin da auch etwas empfindlich bin und mir das besonders auffällt. Tatsache war, dass es mich andauernd in den Fingern gejuckt hat, einen Stift zur Hand zu nehmen und beim Lesen direkt alles auszubessern, was mir aufgefallen ist.

Die Handlung selbst hat mir auch nicht zugesagt. Mir gab es ein wenig zu viel Sex aus heiterem Himmel und das Geschriebene bzw. der Fokus lag mir zu sehr darauf, wie sich irgendwelche Situationen und Körperteile anfühlen oder wie sie aussehen. Ich hätte mir weniger Protagonisten-Gedanken und Beschreibungen der Umgebung und der Körperreaktionen gewünscht, dafür mehr Konversation und vor allem mehr Hintergrundinformationen. Zuallererst war ich mir nämlich nicht mal sicher, wo sich Carter überhaupt aufhält, also ob sie in der Psychiatrie oder im Gefängnis ist.

Wenn mein Leben verschwunden ist, muss ich nicht mehr fürchten, es zu verlieren.
(S. 10)

Das Motiv für Carters Morde habe ich bis zuletzt nicht verstanden, aber Carter sagt irgendwann auch selbst, dass ihre Gedanken diesbezüglich unvollkommen waren ... Trotzdem hat mir die Glaubhaftigkeit in anderen Belangen gefehlt: Jemand, der 8 Menschen ermordet hat, bleibt doch nicht für nur kurze Zeit in der Psychiatrie und wird danach nach außen verlegt!? - Wie wahrscheinlich ist das denn? - Unglücklicherweise wurden keine Zeiträume genannt und besonders lange ist mir der Aufenthalt in der Psychiatrie auch nicht vorgekommen.
Hinzu kommt, dass sich die Protagonistin, die in Anbetracht ihrer aus irgendwelchen irren Gründen begangenen Morde, auf wundersame Weise schon bald verändert hat, also zumindest was ihre Überzeugung betrifft. Und da kommt der junge Psychiater Johan Doss, der mir oftmals wie Carters persönlicher Superhero erschienen ist, ins Spiel: Dauernd habe ich mich gefragt, was der überhaupt so toll an dieser 8-fach-Mörderin findet, dass er einfach nicht die Finger von ihr lassen kann? Er sagt auf diese Fragen zwar ein paar mal »Weil du anders bist, als alles, was ich kenne.«, aber was genau dieses anders heißen soll, wird nie erklärt ...

»Carter, du bist immer irgendwie anders gewesen, irgendwie eigen. Das hat mir auch an dir gefallen. Dass da etwas an dir war, was einfach keiner zu deuten wusste. Aber das hätte niemand erwartet, niemand hätte auch nur daran gedacht, dir so etwas zuzutrauen.«
(S. 192)

Und obwohl Carter genau in meinem Alter ist, konnte ich mich überhaupt nicht in sie hineinversetzen. Sie erzählt aus der Ich-Perspektive, aber näher gebracht hat sie mir das auch nicht, ganz im Gegenteil: sie war mir zusätzlich sehr unsympathisch. 

Weil die junge Autorin (16 Jahre) dieses mir zur Rezension zugeschickten Debütromans eine so liebe ist, ist es mir wirklich nicht leichtgefallen, ehrlich kritisierende Worte zu finden. Für mich war es aber nun mal leider nicht das Gelbe vom Ei und Ehrlichkeit ist mir (in jederlei Hinsicht) einfach wichtiger, als ein falscher Lobgesang.


Persönliche Bewertung
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Weitere Buchzitate
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~ Ich bin, was ich glaube und ich bin, was ich getan habe. ~
(S. 88) 

~ Von der Angst vor Verletzung befreit zu sein, steht über allem. ~
(S. 88) 

~ »Träume sind in den seltensten Fällen nur Träume, Carter.« Seine 
blauen Augen sind ernst in meine gerichtet. »Sie bedeuten etwas.« ~
(S. 109) 

~ Krank und gesund. Es sind so relative Worte, dass ich nicht verstehe, 
warum jemand glaubt, ein allgemeines Urteil über sie fällen zu können. ~
(S. 115) 

~ Seltsam, denke ich, wie tief man noch sinken kann, nachdem man schon dachte, seinen Tiefpunkt erreicht zu haben. ~
(S. 194)




Die Autorin
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Cara-Julie Kather, im Herbst 1999 geboren, wuchs in Perleberg, Landkreis Prignitz auf. Sie besuchte vier Jahre die Grundschule. Im Alter von zehn Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Baden-Württemberg und besucht dort das Gymnasium Sandhausen.
Ihr Erstlingswerk ist »Gestorben lebt man besser«, ein Genre-Mix, mit einer Protagonistin der etwas anderen Art.









Weitere Rezensionen zu vorgestelltem Buch
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4 Sterne: Nicoles Bücherwelt






Herzlichen Dank an Cara-Julie Kather für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Kommentare:

  1. Hallo Janine,
    danke fürs verlinken meiner Rezension, das ist natürlich völlig ok! :)
    Eine sehr gute Rezi, mir hat das Buch gefallen, bis auf die vielen detaillieren Bettszenen, das war so gar nicht meins. Die Covergestaltung hat mir aber sehr gefalllen.
    Einen schönen Blog hast du, da bleibe ich gleich mal als Leserin hier!:)

    Liebe Grüße
    Nicole

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    Antworten
    1. Hallo Nicole,
      danke für deine Verlinkung-Erlaubnis. :) Und ebenso danke für dein Lob zu meinem Blog und meiner Rezension. Mit (vielen) Sexszenen an sich habe ich normalerweise kein Problem, aber hier sind sie mir einfach zu plötzlich und aus heiterem Himmel gekommen, das war mir dann doch nicht ganz geheuer. ;P
      Das bearbeitet Kunstwerk-Cover gefällt mir auch sehr gut, ich finde, es passt wunderbar zu Carter Dayle.

      Alles Liebe ♥,
      Janine

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  2. Es ist natürlich schade, dass die Kritik so negativ ausgefallen ist, aber ich hoffe darauf, wenigstens was Gutes mit deinem ehrlichen Worten anfangen zu können :)

    Vielleicht noch zu dem (kurzen) Psychiatrie Aufenthalt: der sollte damit gerechtfertigt sein dass sie nicht nachweislich für die morde verantwortlich ist und ja trotzdem weiter therapiert wird - mit neuer Methode, auserhalb der Psychiatrie. Aber natürlich ist es völlig legitim, wenn diese Erklärung für dich eben nicht aufging - wollte es nur gerne ergänze :)

    Liebe Grüße, Cara

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    Antworten
    1. Hi Cara! :)
      Schön, dass du vorbeikommst und noch was zu meiner Rezension schreibst. Ich habe mich beispielsweise gefragt, ob dein Manuskript wirklich nochmal Korrekturgelesen worden ist? Das mit den vielen Fehlern war nämlich wirklich nicht angenehm ...
      Und weil du gerade nochmal die Psychiatrie ansprichst: wie ist es - FÜR DIE, DIE DAS BUCH NOCH LESEN WOLLEN: ACHTUNG SPOILER!!! - Johan Doss gelungen, sich als Psychiater auszugeben und sich in die geschlossene Psychiatrie zu Carter zu schmuggeln? Da kann man ja nicht mir nichts dir nichts reinspazieren und die Leute therapieren und dann einfach wieder gehen, wenn man nicht mehr will, also in seinem Fall, wenn Carter dann dort nicht mehr Patientin ist?

      Alles Liebe ♥

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  3. Hey Janine,

    der Klappentext erinnert mich ein bisschen an "Nichts" von Janne Teller. Vielleicht weil es da auch um existenzielle Themen geht.

    Fehler finde ich leider auch sehr störend, besonders wenn es so viele und so auffällige sind, wie es hier der Fall zu sein scheint. Ich kann dich da sehr gut verstehen.

    Es gibt ja viele Frauen, die von Serienmördern fasziniert sind und ihnen Briefe ins Gefängnis schreiben. Vielleicht war so etwas hier (umgekehrt) der Fall. Aber es hätte auch dann erklärt werden können.

    Es ist schade, dass dir das Buch nicht gefallen hat (hoffentlich gefällt dir deine nächste Lektüre besser), aber ich finde dir ist deine Rezension gut gelungen. Du hast verständlich dargelegt was dir nicht gefallen hat und vor allem auch warum nicht. So kann man (die Autorin) auf jeden Fall was mit deiner Kritik anfangen :)

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    1. Hallo Julia,

      ja, und ich kann mich erinnern, dass dir "Nichts" auch nicht so gut gefallen hat. ;)

      Dass Frauen von Serienmördern fasziniert sein können, davon habe ich noch gar nichts gehört, kann aber durchaus sein, auch wenn ich es nicht nachvollziehen kann, was man an Mördern so anziehend finden kann. Aber egal, kann hier natürlich auch umgekehrt der Fall gewesen sein. Die Antwort von Johan Doss, warum er Carter so anziehend findet, war mir zu wenig - keine gute Erklärung, denn was bedeutet schon "anders" als alle anderen? Ein ordentliches Warum hat mir gefehlt.
      Danke, danke für deine wertschätzenden Worte, ich war mir nämlich erst nicht so sicher, ob ich meine Gründe gut dargelegt habe.

      Alles Liebe ♥

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