Montag, 29. Januar 2018

[Rezension] Die Perlenschwester | Lucinda Riley


Seiten: 603
Verlag: Goldmann
Ersterscheinung: 30. Oktober 2017
ISBN: 9783442314454
Format: Hardcover mit Schutzumschlag
Preis: [A] 20,60 €  |  [D] 19,99 €
Originaltitel: The Pearl Sister
Genre: (historischer) Roman
Wissenswertes: Band # 4 der Sieben Schwestern - Reihe (Band # 5 heißt Die Mondschwester)

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Mein Lesezeitraum: 21. Dez. 2017 - 19. Jän. 2018  (= 30 Tage)




Der Klappentext
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CeCe d’Aplièse und ihre Schwester Star sind seit Kindertagen unzertrennlich. Doch als ihr geliebter Vater Pa Salt stirbt, geht Star plötzlich ihrer eigenen Wege und lässt CeCe zurück. Um neuen Mut zu fassen, entschließt sich CeCe zu einer großen Reise aufzubrechen: Wie ihre Schwestern ist auch sie ein Adoptivkind und möchte herausfinden, woher sie wirklich stammt. Die einzigen Hinweise, die sie hat, sind ein altes Foto und der Name Kitty Mercer – eine Frau, die hundert Jahre zuvor in Australien gelebt hat.
Auf dem Weg nach Sydney legt CeCe einen Zwischenstopp in Thailand ein und kehrt zurück zu den Stränden von Krabi, die sie so sehr liebt. Und dort macht sie die Bekanntschaft eines rätselhaften Mannes, durch den sie auf die Lebensgeschichte von Kitty Mercer stößt. Atemlos folgt CeCe den verschlungenen Wegen der mutigen jungen Frau, die einst von Schottland nach Australien kam – und der es schließlich gelang, den Perlenhandel dort zu ungeahnter Blüte zu bringen.
CeCe reist weiter, und während sie Kittys Spur schließlich in Down Under folgt, spürt sie eine immer tiefere Verbundenheit zur magischen Kultur der Aborigines. Ihre Inspiration erwacht – und weist ihr den Weg zu der Frau, die sie wirklich ist …


Der Erste Satz
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Nie werde ich vergessen, wo ich war und was ich tat, als ich hörte, dass mein Vater gestorben war, dachte ich, als ich durchs Fenster in die schwarze Nacht hinausschaute.


Meine  Meinung
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Auf der Suche nach Inspiration und innerem Frieden

Der vierte Band der Sieben Schwestern-Reihe, den ich wieder mit Livia in einer gemeinsamen Blog-Leserunde gelesen habe, hat bei mir letztlich einen sehr guten Gesamteindruck hinterlassen.
© UK Schmidt plates by David Malin

Ich bin recht schnell in CeCes Welt gelandet, habe gleich erkannt, dass – auch wenn das aus dem dritten Buch mit Star bereits herauszulesen war – CeCe eine sehr unsichere, aber feinfühlige Person ist, die sich ihr Leben lang an ihre Schwester geklammert hat und der es deswegen jetzt wahnsinnig schwer fällt, loszulassen. Obwohl CeCe die lautere und redseligere der beiden "Klammerschwestern" war, wirkt sie dennoch weitaus schwächer und bedürftiger als die ruhige Star. Darüber hinaus jammert und sorgt sich CeCe über scheinbar unsinnige Dinge (oftmals gibt sie ihre Legasthenie als Grund dafür an), weswegen sie bei meiner Mitleserin Livia nicht gerade gut angekommen ist. Ich selbst bin wesentlich besser mit der Protagonistin zurechtgekommen, irgendwie konnte ich mich in sie hineinversetzen und Verständnis für sie aufbringen – auch wenn ich nicht ganz nachvollziehen konnte, wie ein Mensch derart werden kann, wenn man so privilegiert und mit so liebevollen, starken Eltern aufwächst. Ein solches Gehabe und Ähnliches nimmt man doch in den meisten Fällen von den Menschen an, mit denen man die meiste Zeit zusammen ist, oder nicht? Woher CeCe ihr Selbstmitleid und ihr niedriges Selbstwertgefühl also hat, ist mir wahrlich schleierhaft.

Ich hatte auf die harte Weise gelernt, dass einem niemand gehört, und möglicherweise würde es mir gelingen, eine eigene Identität zu finden und einer Kultur anzugehören, die mich definierte.
(S. 216)

Umso erfreuter war ich, CeCes positive Entwicklung in dieser Hinsicht mitzuerleben, als sie den Mut aufgebracht hat, sich auf die Spuren ihrer Herkunft zu begeben. Denn das Buch ist wieder in zwei Zeitstränge geteilt. Abwechselnd liest man von CeCe in der Gegenwart (2008) und von Kitty in der Vergangenheit (Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts). Und in den Gegenwart-Teilen – die ich weitaus unspektakulärer fand als die Erzählungen der Vergangenheit – erkennt man nach und nach deutlich, wie sich CeCe entwickelt, besonders ab dem Zeitpunkt, an dem sie ihrer ursprünglichen Familie immer näher kommt. Sie lernt und arbeitet an sich, auch mit Hilfe von Pa Salts Spruch/Weisheit, den er ihr nach seinem Tod übermittelt hat und den sie immer im Hinterkopf hat. Der Gegenwart-Teil mit CeCe spielt vorerst in Thailand, danach geht es ab nach Australien, wo der Hauptteil der Gegenwart-Handlung stattfindet. Egal, wo sich CeCe befindet, sie lernt interessante Menschen kennen, die ihr ganz unbewusst dabei helfen, ihren Mut zu finden und persönlich zu wachsen. Das fand ich sehr schön, mitzuverfolgen!

»Weißt du, was Menschen daran hindert, ihr volles Potenzial zu nutzen?« 
»Angst. Du musst die Angst loswerden.«
(S. 472)

Die Plejaden. Gemälde von Elihu Vedder, 1885
Kittys Part konnte mich von Anfang an abholen und begeistern. Ich war durch und durch gefesselt von den Geschehnissen in der Vergangenheit. Australien im 20. Jahrhundert kennenzulernen und etwas über die Entwicklung der Perlenfischerei zu erfahren hat mich ebenfalls sehr interessiert und deswegen an den Seiten kleben lassen. Die Charaktere in der Vergangenheit sind alle sehr vielschichtige und einzigartig skizzierte Persönlichkeiten und das, was passiert, teilweise so unfassbar und tragisch, weswegen ich gar nicht erwarten konnte, alles so schnell wie möglich aus dieser längst vergangenen Zeit in Erfahrung zu bringen. Fesselnd, fesselnd, fesselnd wären die Worte, mit denen ich Kittys Geschichte beschreiben würde!

Natürlich fragt man sich während dem Lesen auch, inwiefern CeCe und Kitty miteinander zu tun haben könnten. Sind die beiden Frauen miteinander verwandt? Ist ihr Leben auf irgendeine andere Art und Weise verknüpft? Livia und ich hatten jedenfalls unseren Spaß, darüber zu spekulieren. Wir haben unsere Gedankenspinnereien genossen und waren schlussendlich total begeistert davon, dass Riley es so toll geschafft hat, jeden auftauchenden Charakter irgendwie einen perfekten Platz in der Geschichte zu geben bzw. zufriedenstellend miteinzuweben.

Wir müssen versuchen, Verantwortung für unsere eigenen Handlungen zu übernehmen, für die anderer Menschen können wir das nicht.
(S. 525)

Im Großen und Ganzen kann ich kaum etwas Negatives über den 4. Band der Sieben Schwestern-Reihe sagen. Die einzigen kleinen Kritikpunkte waren: In einem Moment war mir CeCes Baden in Selbstmitleid zu viel und ziemlich am Ende des Buch hatte ich kurz das Gefühl, als würden sich die Ereignisse überschlagen. Obwohl große Ereignisse zeitlich gesehen in einem annehmbaren Abstand geschahen, sind sie mir von der Autorin dennoch zu schnell hintereinander erzählt worden, sodass ich etwas "überfordert" war. Diese Kritikpunkte haben meine Lesefreude allerdings nicht eingeschränkt, weswegen ich keinen Punkteabzug in meine Bewertung miteinfließen lasse.

Am Ende darf man sich – wie immer – über ein paar Sätze von Lucinda Riley freuen und darüber staunen, wie weit die Autorin geht, um korrekt an ihren Geschichten arbeiten zu können. Gerade ihre letzten Worte fand ich diesbezüglich sehr vorbildlich. Ebenso findet sich am Ende bereits ein kleiner Vorgeschmack auf das fünfte Buch (mit Tiggy). Einen kleinen Einblick in Tiggys Leben gewährt uns Riley hier schon mal.

Und wer es, wie ich, auch nicht erwarten konnte, nach dem dritten Band endlich weiterzulesen, dem kann ich versichern, dass er mit CeCe, aber allen voran mit Kitty, in Australien viel Freude haben wird! ;)


Persönliche Bewertung
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Weitere Buchzitate
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~ »Obwohl ich nicht sonderlich religiös war, hätte ich mich, wenn man mich vor die Wahl stellte, 
wahrscheinlich für den Buddhismus entschieden, denn darin schien es um die Macht der Natur 
zu gehen, und die empfand ich als Wunder, das sich permanent vor unseren Augen abspielt. 
... Wenn ich überhaupt irgendetwas verehre, dann die Natur.« ~
(S. 21)

Je nachdem, wo man sich aufhielt, wurden die individuellen 
Stärken und Schwächen zu etwas Positivem oder Negativem. ~  
(S. 25)

~ Die Schönheiten der Natur waren für alle da, nicht nur für die Reichen. ~ 
(S. 45)

»Wahrscheinlich schätzt man die Dinge erst dann richtig, wenn man sie nicht mehr hat, oder?« ~ 
(S. 64)

~ »... manchmal muss man Ungewöhnliches tun, um die Menschen, die man liebt, zu schützen.« ~  
(S. 174)

Ein gebrochenes Herz zerstört die Seele, besonders dann, wenn ein schlechtes Gewissen im Spiel ist. ~ 
(S. 432)

~ Liebe ist gleichzeitig das egoistischste und selbstloseste Gefühl der Welt, und die beiden Seiten lassen 
sich nicht voneinander trennen. Die eigenen Bedürfnisse kämpfen gegen den Wunsch, die geliebte Person 
glücklich zu sehen. Deshalb lässt sich die Liebe nicht rational betrachten, und keiner entkommt ihr. ~ 
(S. 461)

Negative Gedanken erzeugen negative Handlungen. ~  
(S. 469)

~ Jegliches Zeitgefühl zu verlieren bedeutet nur, dass man völlig in dem aufgeht, was man tut. ~ 
(S. 478)

~ So viele Menschen bewegten sich immerzu im Kreis und wünschten 
sich eine bessere Zukunft, die sie aber aus Angst nicht realisierten. ~  
(S. 535)




Die Autorin
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© Boris Breuer

Lucinda Riley wurde in Irland geboren und verbrachte als Kind mehrere Jahre in Fernost. Sie liebt es zu reisen und ist nach wie vor den Orten ihrer Kindheit sehr verbunden. Nach einer Karriere als Theater- und Fernsehschauspielerin konzentriert sich Lucinda Riley heute ganz auf das Schreiben – und das mit sensationellem Erfolg: Seit ihrem gefeierten Roman »Das Orchideenhaus« stürmte jedes ihrer Bücher die internationalen Bestsellerlisten. Lucinda Riley lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern an der englischen Küste in North Norfolk und in West Cork, Irland.




 

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2 Kommentare:

  1. Liebe Janine

    Dir ist da - einmal mehr - eine fantastische Rezension mit so tollen Bildern und Ergänzungen gelungen, ich bin glatt ein wenig neidisch.

    Schön auch deine Worte am Anfang. Ich weiss nicht...irgendwie bin ich wohl einfach ein wenig allergisch auf Selbstmitleid und habe Riley CeCe wohl auch nicht so ganz abgenommen. Aber ich freue mich sehr auf den nächsten Band, Tiggy wird sicher total spannend und ich könnte mir vorstellen, dass sie für einigen Diskussionsstoff sorgen wird, aber dies nur am Rande :-)

    Alles, alles Liebe dir und auch im aktuellen Jahr vielleicht auf ein nächstes Projekt, ich bin sofort dabei
    Livia

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    Antworten
    1. Liebe Livia!
      Danke! Aber kein Grund, neidisch zu sein. Auch deine Besprechung ist echt schön gelungen! :)
      Normalerweise bin ich auch nicht so angetan davon, wenn jemand andauernd in Selbstmitleid badet, wahrscheinlich hatte ich während des Lesens einfach nur eine sehr verständnisvolle Ansicht.
      Ich glaube auch, dass uns Tiggy (Die Mondschwester) viel Diskussionsstoff liefern wird, deswegen bin ich auch jetzt schon so voller Vorfreude auf den 5. Band. :) Wie ich Riley einschätze, wird sie uns nicht allzu lange warten lassen. Bestimmt kommt "Die Mondschwester" noch 2018 raus, schließlich hat sie "The Moon Sister" auch schon fertiggestellt.

      Auf ein neues Projekt mit dir würde ich mich in 2018 auch sehr freuen. Es dauert jetzt ja nicht mehr lange, dann bin ich wieder frei(er). ;)
      Alles Liebe!

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