Dienstag, 5. Juli 2016

[Rezension] Tagebuch | Anne Frank


» Seiten: 316 (361 mit Zeittafel, Hintergrund und Kontext)
» Verlag: FISCHER Taschenbuch
» Ersterscheinung: 1950
» ISBN: 9783596152773
» Format: Taschenbuch
» Preis: [A] 8,30 €   [D] 7,99 €
» Originaltitel: De Dagboeken van Anne Frank
» Genre: Tagebuch; Historisches; Weltliteratur; Autobiografisches
» Wissenswertes: verfilmt

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Mein Lesezeitraum: 24. - 28. Juni 2016




Die Buchrückseite
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Für Anne Frank war ihr Tagebuch in der Enge des Verstecks Ersatz für eine Freundin und Gesprächspartnerin, Ventil für Sorgen und Unmutsausbrüche und zugleich Übungsfeld für ihre große schriftstellerische Begabung. Es ist und bleibt das eindringlichste und bewegendste Dokument der Judenverfolgung im Nationalsozialismus.

Diese Standardausgabe des Tagebuchs von Anne Frank vermittelt ein eindrucksvolles Bild ihrer Lebens-, Gefühls- und Gedankenwelt.


Der Erste Satz
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Anne Frank führte vom 12. Juni 1942 bis 1. August 1944 Tagebuch.


Meine  Meinung
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Schreiben als Überlebensnotwendigkeit

Das Tagebuch der Anne Frank zählt zur Weltliteratur und wird als eines der eindringlichsten Dokumente über die Judenverfolgung während des 2. Weltkrieges beschrieben. Alleine durch diese Beschreibung wollte ich zu dem Buch greifen und mir selbst ein Bild von den Gedanken eines jungen jüdischen Mädchens über ihr Leben im Amsterdamer Hinterhaus-Versteck machen. Gelesen habe ich das Buch schlussendlich mit zwei Bloggerinnen in einer gemeinsamen Leserunde, denn dass es zu der Thematik viel zu besprechen gibt, davon war auszugehen ...

Es ist für jemanden wie mich ein eigenartiges Gefühl, Tagebuch zu schreiben. Nicht nur, dass ich noch nie geschrieben habe, sondern ich denke auch, dass sich später keiner, weder ich noch ein anderer, für die Herzensergüsse eines dreizehnjährigen Schulmädchens interessieren wird.
(S. 18)

Als ich dieses Zitat gelesen habe, habe ich mir gedacht: Anne, wenn du damals nur gewusst hättest, dass dein Tagebuch eines Tages millionenfach verkauft und gelesen wird ...
Das Schicksal der Anne Frank dürfte vielen wahrscheinlich schon bekannt sein: Sie starb im Frühjahr 1945 im KZ Bergen-Belsen, nachdem das Versteck, in dem sie und die anderen sieben Untergetauchten lebten, im Jahr davor von einem Lagerarbeiter an die Nazis verraten wurde. Diese Tatsache, die mir während dem Lesen natürlich ständig bewusst war, macht es schwer zu lesen, dass sich Anne Gedanken über die Zeit nach dem Krieg macht, Hoffnung hat und versucht, das beste aus der Situation im Hinterhaus zu machen. Wenn man weiß, dass sie nicht überleben wird, hinterlässt das
einen trüben und traurigen Beigeschmack ...

Der Krieg stört sich nicht an unseren Streitereien, an unserer Sehnsucht nach Freiheit und Luft, und darum müssen wir versuchen, das Beste aus unserem Aufenthalt hier zu machen.
(S. 169)

Jedoch muss man sagen, dass derartige Gedanken nicht vorherrschend sind. Anne schreibt zwar hin und wieder in ihr Tagebuch, dass sie alle Angst haben und besorgt sind wegen dem, was draußen vor sich geht, aber die grundsätzlichen Themen sind eher die alltäglichen Probleme eines 13 bis 15-jährigen Mädchens mit ihrer Mutter, ihrer Schwester Margot oder den anderen im Hinterhaus lebenden Menschen. Anne verwendet auch viel Raum, um den ewig ähnlichen Tagesablauf zu beschreiben, über ihre Helfer zu sprechen, oder dass sie oft still sein mussten, wenig abwechslungsreiches Essen zur Verfügung hatten und dergleichen. Das habe ich so nicht ganz erwartet und fand ich manchmal etwas trocken zu lesen. Generell hätte es mich mehr interessiert, wenn Anne mehr über die derzeitige politische Lage, die derzeitige Kriegssituation bzw. das, was das in ihr ausgelöst hat, geschrieben hätte.

Aber das Lachen haben wir fast verlernt. Manchmal habe ich Angst, dass ich vor lauter Ernst ein starres Gesicht und Falten um den Mund bekommen werde.
(S. 137)

Anne ist ein charakterstarkes, lebensmutiges Mädchen mit ausgedehnter Energie. Sie kann ihren Willen durchsetzen und ist unbeeinflussbar, weswegen sie im Hinterhaus auch immer wieder angeeckt hat. Und da genau das das war, was sie am meisten beschäftigt hat, wurde es auch lang und breit thematisiert.
In meiner Taschenbuchausgabe kam durch die vielen Fotos, die immer wieder zwischendrin abgebildet waren, aber glücklicherweise etwas Abwechslung zustande. Und dann gab es von Zeit zu Zeit auch mal Situationen, in denen es für Anne und ihre Familie brenzlig wurde, weil sie beispielsweise unvorsichtig im Hinblick auf die Lautstärke waren - also, es war auch Spannung und Aufregung beim Lesen vorhanden, keine Frage!

Dieses Gerede höre ich den ganzen Tag. Invasion vorne, Invasion hinten. Dispute über Hungern, Sterben, Bomben, Feuerspritzen, Schlafsäcke, Judenausweise, Giftgase und so weiter. Alles nicht erheiternd.
(S. 179) 

Es ist am Ende des Buches erschreckend, dass die Tagebucheinträge so plötzlich aufhören, ohne Vorwarnung. Man weiß zwar, dass die acht Hinterhäusler nun gefasst wurden, aber es lässt einen doch irgendwie fassungslos zurück, weil es von Anne ja nun keine Einträge mehr gibt und von ihr nicht mehr erfährt, wie es ihr weiterhin ergangen ist, was sie persönlich noch alles bis zu ihrem Tod durchstehen musste ... Ich war aber trotzdem sehr dankbar für das Nachwort in dieser Ausgabe, das zwei Seiten umfasst und die Schicksale von den acht Untergetauchten thematisiert - die wirklich alles andere als rosig sind! Besonders lesenswert empfand ich im Anschluss darauf dann noch Mirjam Presslers Text über Anne Franks Leben und die Geschichte der Familie von Anne Frank, der insgesamt etwa 24 Seiten lang war. Ein äußerst interessanter Abschluss, wie ich finde!


Persönliche Bewertung
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Weitere Buchzitate
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~ Papier ist geduldiger als Menschen. ~ (S. 18)

 ~ Man lernt die Menschen erst gut kennen, wenn man einmal richtigen Streit 
mit ihnen gehabt hat. Erst dann kann man ihren Charakter beurteilen! ~ (S. 58)

~ Es ist verflixt schwer, sich Menschen gegenüber, die man nicht ausstehen kann, vorbildlich zu benehmen, 
während man doch nichts davon so meint. Aber ich sehe wirklich, dass ich weiter komme, wenn ich 
ein bisschen heuchle, statt meine alte Gewohnheit beizubehalten und jedem geradeheraus meine 
Meinung zu sagen (obwohl nie jemand nach meiner Meinung fragt oder Wert darauf legt). ~ (S. 112)

~ Verurteile mich nicht, sondern betrachte mich als jemanden, dem es auch mal zu viel wird! ~ (S. 143)

~ Kannst du mir vielleicht erzählen, wie es kommt, dass alle Menschen ihr Inneres so ängstlich verbergen? Wie kommt 
es, dass ich mich in Gesellschaft immer ganz anders verhalte, als ich mich verhalten sollte? Warum vertraut der eine 
dem anderen so wenig? Ich weiß, es wird einen Grund dafür geben, aber manchmal finde ich es sehr schlimm, dass 
man nirgends, selbst bei den Menschen, die einem am nächsten stehen, ein wenig Vertraulichkeit findet. ~ (S. 170)

~ »Es ist immer dasselbe Lied. Niemand will die Gefahr sehen, bevor er sie nicht am eigenen Leib spürt.« ~ (S. 180)

~ Ich bin jetzt so weit, dass es mir nicht mehr viel ausmachen kann, ob ich sterbe oder am Leben bleibe. 
Die Welt wird sich auch ohne mich weiterdrehen, und ich kann mich gegen die Ereignisse doch nicht 
wehren. Ich lasse es darauf ankommen und tue nichts als lernen und auf ein gutes Ende hoffen. ~ (S. 180)

~ Für jeden, der Angst hat, einsam oder unglücklich ist, ist es bestimmt das beste Mittel, hinauszugehen, irgendwohin, 
wo er ganz allein ist, allein mit dem Himmel, der Natur und Gott. Dann erst, nur dann, fühlt man, dass alles so ist, 
wie es sein soll, und dass Gott die Menschen in der einfachen und schönen Natur glücklich sehen will. ~ (S. 193)

~ Reichtum, Ansehen, alles kann man verlieren, aber das Glück im eigenen Herzen kann nur 
verschleiert werden und wird dich, solange du lebst, immer wieder glücklich machen. ~ (S. 194)

~ Und wer glücklich ist, wird auch andere glücklich machen. Wer Mut und Vertrauen hat, wird im Unglück nicht untergehen! ~ (S. 205)

~ Wenn man sich selbst verändert, merkt man das erst, wenn man verändert ist. ~ (S. 227)

~ O ja, ich will nicht umsonst gelebt haben wie die meisten Menschen. ~ (S. 238)

~ Ach, es ist so schwierig, immer gibt es das Herz und den Verstand, und jedes muss zu seiner Zeit sprechen. ~ (S. 263)

~ Warum gibt man jeden Tag Millionen für den Krieg aus und keinen Cent für die Heilkunde, 
für die Künstler, für die Armen? Warum müssen die Leute hungern, wenn in anderen Teilen 
der Welt die überflüssige Nahrung wegfault? Warum sind die Menschen so verrückt? ~ (S. 266)

~ Auf eigenen Beinen im Leben stehen ist schwierig, aber noch schwieriger ist es, 
charakterlich und seelisch allein zu stehen und doch standhaft zu bleiben. ~ (S. 302)

~ Wir leben alle, wissen aber nicht, warum und wofür. Wir leben alle mit dem 
Ziel, glücklich zu werden, wir leben alle verschieden und doch gleich. ~ (S. 302)

~ Eltern können nur Rat oder gute Anweisungen mitgeben, die endgültige 
Formung seines Charakters hat jeder selbst in der Hand. ~ (S. 306)




Der Filmtrailer
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Anne Frank
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Anne Frank, am 12. Juni 1929 als Kind jüdischer Eltern in Frankfurt am Main geboren, flüchtete 1933 mit ihren Eltern nach Amsterdam. Nachdem die deutsche Wehrmacht 1940 die Niederlande überfiel und besetzte, 1942 außerdem Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung in Kraft traten, versteckte sich die Familie Frank in einem Hinterhaus an der Prinsengracht. Die Familie und ihre Mitbewohner wurden im August 1944 verraten und nach Auschwitz verschleppt. Anne Frank und ihre Schwester Margot starben infolge von Entkräftung und Typhus im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihr genauer Todestag ist nicht bekannt.

-) Und hier findet ihr Anne Frank auf Facebook.




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10 Kommentare:

  1. Hallo Janine,
    ich fand dieses Tagebuch auch sehr eindrucksvoll. Mir ging es ähnlich wie dir, dass es mich überrascht hat, wie sehr die Sorgen des Mädchendaseins im Vordergrund standen. Die Angst vor der Entdeckung zwar auch, aber eben eher diese "pubertären" Probleme. Aber sie war nun mal jung und das plötzliche Abbrechen hat mich auch sehr schockiert. Ein wichtiges Dokument und der Besuch im Anne-Frank-Haus ist ebenfalls sehr beklemmend.
    liebe Grüße, Tina

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    1. Hallo Tina,
      ich fand es auch sehr interessant, in Annes persönliche (Gefühls)welt einzutauchen. Immerhin muss man sich bewusst machen, dass das ein Tagebuch eines Mädchens ist, das vor über 70 Jahren geschrieben wurde und teilweise sehr bewegende Inhalte der Schreiberin enthält. Das sollte man schon wertschätzen! Und wenn ich mir dann ansehe, wie ich mit 13 oder 15 Jahren geschrieben habe, muss ich mich regelrecht schämen ... :D
      Ich kann mir vorstellen, dass ein Besuch im Anne Frank - Haus sehr beklemmend ist. Ich möchte auch noch eines Tages nach Amsterdam fahren/fliegen und das Hinterhaus besichtigen.

      Alles Liebe,
      Janine

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  2. Danke meine Liebe für deinen netten Kommentar. Es macht mir natürlich nichts aus :D
    Eine absolut gigantische Review - großer Respekt.
    Werde mich noch ein wenig auf deinem Blog umschauen.
    Hab einen schönen Tag

    Liebe Grüße
    Russkaja :*

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    1. Sehr gerne! Und danke dir für die Verlink-Erlaubnis. ;)
      Ich freue mich sehr über dein Lob und wünsche dir auch noch einen schönen Restmittwoch!
      Alles Liebe!
      Janine

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  3. Hallo Janine,
    ich habe das Buch damals in der Schule gelesen und konnte mich irgendwie gar nicht mehr daran erinnern, nur, dass die Geschichte sehr bewegend war. Durch deine Rezension sind einige Erinnerungen wieder aufgeflammt.
    Ich denke, dass dieses Buch damals zu Recht als Schullektüre verwandt wurde. Eine sehr bewegende Geschichte.
    Hast du den Film zum Buch gesehen? Wirst du ihn sehen?

    Ganz liebe Grüße Tanja

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    1. Hallo Tanja,
      wieviele Jahre in etwa ist das Lesen bei dir dann schon her? :)
      Wirklich bewegend fand ich erst das Nachwort, das Tagebuch an sich finde ich nicht so bedrückend - nur an manchen Stellen.
      Nein, den Film habe ich noch nicht gesehen, aber werde ich definitiv noch tun, ich warte aber noch darauf, bis die DVD erscheint (Mitte September), die von dem Buchtrailer oben im Post ist.

      Alles Liebe ♥

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    2. Ohoh. Ewig. So über 20?! *hüstel*
      Wirst du auf deinem Blog von dem Film berichten? Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich ihn sehen werde. (Aus dem Kino ist er ja schon raus.) Spätestens, wenn er im Fernsehen kommt. Dann natürlich auf jeden Fall :o)

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    3. Vielleicht, Tanja! Ich habe ja schon ein paar Buchverfilmungen gesehen in letzter Zeit und da habe ich auch nichts dazu auf meinem Blog geschrieben, aber vielleicht gibt es zur Anne wirklich einen Bericht von mir. Je nachdem, wie es mich danach verlangt nach dem Sehen. :)

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  4. Hallo, liebe Janine,
    das Buch habe ich auch gelesen, ist schon aber ganz lange her. Das Anne Frank-Museum in Amsterdam habe ich auch besucht. Sehr interessant. Lediglich den Film habe ich mir noch nicht angeschaut. Werde ich wohl auf deine Anregung hin noch nachholen müssen. Habe den Filmtrailer mir gerade angeschaut.

    Liebe Grüße
    Mirella

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    Antworten
    1. Hallo Mirella! :)
      Ich kann mir vorstellen, dass das Anne Frank-Museum sehr interessant ist. Vor allem nachdem ich das Buch gelesen habe, wäre es wirklich sehenswert, damit man sich auch visuell einen Eindruck vom Hinterhaus machen kann, das ich bisher ja nur von Annes Beschreibungen kenne. Eines Tages, wenn es mich nach Amsterdam verschlägt, schaue ich mir das Haus bestimmt an!
      Ich habe vor ein paar Tagen alle möglichen Trailer zu den verschiedenen Verfilmungen zum Anne Frank Tagebuch angesehen und mir persönlich gefällt der, den ich oben im Beitrag am besten habe und den Film möchte ich mir deswegen auch gerne ansehen. Das ist auch die aktuellste Verfilmung und die DVD erscheint leider erst im September, das heißt, ich muss noch ein wenig Geduld haben.

      Alles Liebe ♥

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