Freitag, 21. Juni 2019

[Rezension] Siddhartha | Hermann Hesse


Seiten: 121
Verlag: Suhrkamp
deutsche Ersterscheinung: 1922
ISBN: 3518366823
Format: Taschenbuch
Genre: Klassiker der Weltliteratur

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Mein Lesezeitraum: 6. - 12. Juni 2019  (= 7 Tage)








Der Inhalt
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Siddhartha, die weltberühmte Legende von der Selbstbefreiung eines jungen Menschen aus familiärer und gesellschaftlicher Fremdbestimmung zu einem selbständigen Leben, zeigt, dass Erkenntnis nicht durch Lehren zu vermitteln ist, sondern nur durch eigene Erfahrung erworben werden kann.

Hermann Hesse erzählt die fiktive Lebensgeschichte Buddhas Siddhartha ist sein Vorname – und versucht zu ergründen, »was allen Konfessionen und menschlichen Formen der Frömmigkeit gemeinsam ist, was über allen nationalen Verschiedenheiten steht, was von jeder Rasse und von jedem einzelnen geglaubt werden kann«.


Der Erste Satz
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Im Schatten des Hauses, in der Sonne des Flussufers bei den Booten, im Schatten des Salwaldes, im Schatten des Feigenbaumes wuchs Siddhartha auf, der schöne Sohn des Brahmanen, der junge Falke, zusammen mit Govinda, seinem Freunde, dem Brahmanensohn.


Meine  Meinung
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Im Fluss des Lebens

Wie rezensiert man nur ein Buch wie Siddhartha? Über ein Buch, das so voller Weisheit und zutiefst spirituell ist, zu schreiben und die dabei entstandenen Emotionen in Worte zu fassen, scheint nicht so leicht. Dennoch versuche ich es hiermit.

Siddhartha ist ein junger Mann, als er beschließt, seine Eltern zu verlassen und ein asketisch lebender Wald-Samana zu werden. Ungewiss, wohin diese Entscheidung ihn führen mag, startet er in sein neues Leben. Und das ist der Beginn einer (überaus spirituellen) Reise, die viele Jahre später damit endet, dass Siddhartha "Vollendung" erfährt.

Schön war die Welt, wenn man sie so betrachtete, so ohne Suchen, so einfach, so kinderhaft. Schön war Mond und Gestirn, schön war Bach und Ufer, Wald und Fels, Ziege und Goldkäfer, Blume und Schmetterling. Schön und lieblich war es, so durch die Welt zu gehen, so kindlich, so erwacht, so dem Nahen aufgetan, so ohne Misstrauen.
(S. 41)

Soviel zum Inhalt. Dies ist mein erstes Buch von Hesse und ich weiß daher nicht, ob auch andere Werke von ihm in dieser wundervoll ruhigen, harmonischen Art geschrieben sind. Ein wenig hat mich die Schreibweise an Bibeltexte erinnert, was ich gar nicht als negativ bewerte, sondern eher als gewöhnungsbedürftig. Mit seinen 121 Seiten wäre das Buch natürlich schnell gelesen gewesen, aber da Siddharthas Reise, seine Erkenntnisse und Entscheidungen so nachdenklich und still machen, hetzt man selbstverständlich nicht durch dieses Buch, sondern hält oft inne, lässt alles auf sich wirken und denkt über Siddharthas Gedanken und Aussagen nach. Da mein Partner das Buch kurz vor mir gelesen hat und ebenfalls großartig fand, gab es an manchen Abenden dazu dann noch regen Austausch.

Auch, wenn man mit Spiritualität nicht viel anfangen kann, Siddhartha berührt ganz tief, Siddhartha macht ruhig und gelassen. Es hat in mir ebenfalls das Verlangen nach dieser Glückseligkeit, die Siddhartha erfahren hat, ausgelöst. In einer anderen Welt, in einer anderen Zeit, möchte man auch gerne den Weg Siddharthas gehen und Zugang zu ewiger Glückseligkeit finden. Diesen Wunsch, diesen Drang, konnte ich nicht von mir schieben. Siddhartha zu lesen, gewährt mir Zugang zu all dem Verschütteten, nicht Beachteten, das im Alltagsleben untergeht. Alles ist eins! - Diese Aussage zu verstehen, ganz tief zu verstehen, lässt einen - zumindest eine Weile - die Welt und all die Menschen mit anderen Augen wahrnehmen. Mit einem liebevolleren Auge.

»Sieh, mein Govinda, dies ist einer meiner Gedanken, die ich gefunden habe: Weisheit ist nicht mitteilbar. Weisheit, welche ein Weiser mitzuteilen versucht, klingt immer wie Narrheit.«
(S. 113)

Siddhartha ist nicht einfach nur eine sympathische Buchfigur. Siddhartha ist viel mehr ein Idol, eine Sehnsucht, etwas, das man sich auch für sich selbst wünscht ...

Dieses wundervolle Buch sollte/kann man von Zeit zu Zeit nochmal lesen, weil man dabei immer wieder Neues entdecken, verstehen und verinnerlichen kann. Ich denke, dass es gerade für Menschen in schwierigen/belastenden Lebenssituationen eine große Bereicherung sein kann.


Persönliche Bewertung
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Der Autor
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© Gret Widmann

Hermann Hesse, geboren am 2.7.1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb am 9.8.1962 in Montagnola bei Lugano. 

Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin. 

Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.

6 Kommentare:

  1. Liebe Janine,
    ich habe "Siddharta" mit 16 Jahren gelesen...also schon sehr lange her ;) In diesem Alter habe ich generell viel "schwerere" Lektüre inhaliert, danach ging es genau ins Gegenteil und nun lese ich tja...was eigentlich ;) Einen bunten Mix aus Allerlei....
    Ich kann mich nicht mehr an viel erinnern, aber ich weiß noch, dass es mich sehr beeindruckt hat. Danach folgte noch "Narziss und Goldmund".
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Liebe Martina,

      hast du damals die "schwere Lektüre" denn freiwillig verschlungen oder von der Schule aus?
      Sich nach so vielen Jahren an Details in einem bestimmten Buch zu erinnern, ist natürlich schwierig, aber das Gefühl, das man beim Lesen hatte, ist auch bei mir oft nach vielen Jahren noch greifbar. ;-)

      Alles Liebe,
      Janine

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  2. Hallo Janine,

    ich finde, du hast ganz wundervolle Worte für das Buch gefunden :)
    Mich hat das Buch vor Jahren sehr beschäftigt. Als mein Vater krank wurde, hat mir meine Tante dieses Buch geschenkt und es hat mich sehr getröstet. Ich habe mir schon oft vorgenommen es nochmal zur Hand zu nehmen, aber da es mich trotz allem auch an die (überstandene) Krankheit meines Vaters erinnert, habe ich es bisher noch nicht gemacht.

    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Liebe Julia,
      danke für deinen Kommentar! Freut mich, dass dir meine Rezension gefällt. :)
      Das ist schön zu lesen, dass es dich damals in der Zeit, in der dein Vater krank war, so trösten konnte. Dann ist "Siddhartha" ja ein ganz besonderes Buch für dich, auch, wenn dich die Erinnerung in die ungewisse Zeit zurückversetzt.

      Alles Liebe an dich!

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  3. Liebe Janine

    Das Buch wollte ich auch schon lange einmal lesen und deine wundervollen Worte haben mich definitiv neugierig gemacht. Ich hoffe, dass ich bald ganz viel Lesezeit für alle diese Bücher finden werde, die ich "schon lange einmal lesen" will.

    Alles Liebe an dich
    Livia

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    1. Liebe Livia,
      "Siddhartha" ist ein ganz besonderes Buch für mich geworden. :) Ich bin sehr froh, dass meine Schwiegermutti und ich so einen ähnlichen Lesegeschmack haben und sie uns das Buch zukommen hat lassen.
      Ja ... die liebe Lesezeit. ;) Irgendwann klappt es bestimmt.

      Alles Liebe dir,
      Janine

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