Montag, 22. August 2016

[Rezension] Die Wahrheit meines Vaters | Jodi Picoult


Seiten: 535
Verlag: Piper
Ersterscheinung: 2007
ISBN: 9783492251723
Format: Taschenbuch
Preis: [A] 10,30 €  |  [D] 9,95 €
Originaltitel: Vanishing Acts
Genre: Roman

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Mein Lesezeitraum: 9. - 20. August 2016




Der Inhalt
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Delia Hopkins steht kurz vor ihrer Hochzeit mit Eric, liebt das Leben mit ihrer kleinen Tochter Sophie und kann trotz des frühen Todes ihrer Mutter auf eine unbeschwerte Kindheit zurückblicken. Seit sie jedoch die vergilbten Hochzeitsbilder ihrer Eltern gesehen hat, spuken Erinnerungen durch ihren Kopf, mit denen sie nichts anzufangen weiß. Bevor sie mit ihrem Vater Andrew, dem angesehenen Leiter eines Altenheims, darüber sprechen kann, steht die Polizei vor der Tür und offenbart ein schreckliches Geheimnis über ihn. Delias Welt zerfällt vor ihren Augen, denn offenbar ist sie nicht die, für die sie sich gehalten hat ... 
Was geschieht, wenn einem plötzlich die eigene Vergangenheit geraubt wird?


Der Erste Satz
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Ich war sechs, als ich das erste Mal verschwand.


Meine  Meinung
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Was man aus Liebe tut ... 

... muss nicht immer besonders logisch sein. Oder legal. In Andrew Hopkins' Fall war es gegen das Gesetz. Verdenken konnte ich ihm seine Taten allerdings nicht, denn als ich nach und nach die Gründe dafür erfahren habe, war ich immer mehr der Überzeugung, dass ich genauso gehandelt hätte. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht von der teilweise erschütternden Wahrheit verraten, das soll schon jeder selbst herauslesen, wie Andrew versucht hat, das Leben seiner Tochter Delia zu "retten". Ich möchte lieber erklären, warum das Buch von mir nur drei Sterne bekommen hat ...

Es ist immer leichter, einen Menschen zu verurteilen, als sich zu überlegen, was ihn vielleicht so weit gebracht hat, eine illegale oder moralisch verwerfliche Tat zu begehen, weil er glaubt, dass er dann besser dran ist.
(S. 377)

Die Handlungen der Figuren (in der Gegenwart) konnte ich größtenteils nicht nachvollziehen. Warum? - Weil mir manche Entscheidungen für erwachsene Menschen etwas überstürzt und kindisch erschienen sind. Mit ein Grund für das Unverständnis der Handlung, war wahrscheinlich auch die Tatsache, dass die Autorin ziemlich stark an den Emotionen der Buchfiguren gespart hat. Es wird fast alles so nüchtern und gefühllos beschrieben - das hat mir gar nicht gefallen. Auf diese Weise habe ich zu keinem der Hauptcharaktere eine gewisse Nähe aufbauen können. Die Geschichte/die Buchfiguren waren nur aus der Distanz zu betrachten, so richtig einfühlen konnte ich mich leider in niemanden.
Zusätzlich erschwert wurde der Nähe-Aufbau durch die Kapitelwechsel. In jedem neuen Kapitel wird aus der Sicht einer anderen wichtigen Person erzählt - und davon gab es gar nicht mal so wenige, fünf waren es mindestens.

Ich könnte ihr aus eigener Erfahrung sagen, dass Menschen, die wir lieben, manchmal Entscheidungen treffen, die wir nicht nachvollziehen können. Aber wir sind trotzdem in der Lage, diese Menschen weiterhin zu lieben. Nicht das Verständnis zählt, sondern die Vergebung.
(S. 86)

Was mir wiederum gefallen hat, waren die Einblicke, die man über alkoholkranke Menschen bekommen hat. Der Alkohol spielt in diesem Buch eine tragende Rolle, genauso wie eine Verhandlung vor Gericht (aber die ist ja fast schon Markenzeichen von Jodi Picoult) und ich persönlich fand es sehr interessant, zu dieser Thematik auch einmal mehr lesen zu können. Ebenso, aber das hat mir nur zum Teil gefallen, tauchen im Text immer wieder bedeutungsschwere Sätze, Gespräche und Fragen auf, über die man vermutlich stundenlang philosophieren könnte. Für mich war das manchmal etwas zu viel, aber ich glaube, das ist sowieso eher Geschmacksache.

Dann gab es da noch Gefängnisszenen, die zwar zum Teil heftig zu lesen waren, mir aber dennoch wie reine Seitenfüller vorgekommen sind, da sie mit dem eigentlichen Problem mit Delia nicht viel zu tun hatten.
Ganz genauso wie ein Abschweifen vom Thema sind bei mir die Szenen angekommen, in denen eine Indianerfrau mit Delia Kontakt hatte. Die alte Indianerin hat von abgehobenen Dingen gesprochen, die in ihrem Glauben verankert sind, mit dem ich aber nicht viel anfangen konnte. Es kamen auch einige indianische Ausdrücke vor, die unaussprechlich waren und mich eigentlich nur gelangweilt haben.

»Ja!« falle ich ihr ins Wort. »Er ist ein Lügner. Er hat mich achtundzwanzig Jahre belogen, wollen Sie das von mir hören? Aber die Alternative war die Wahrheit, und die will niemand hören.«
(S. 457)

Und zu guter Letzt muss ich noch erwähnen, dass es in dieser Geschichte auch um eine Dreiecksbeziehung geht. Interessanterweise lese ich in letzter Zeit viele Geschichten mit Dreiecksbeziehungen, aber diese hier ist mir irgendwie auf die Nerven gegangen. Eben, weil ich, wie oben schon erwähnt, die Handlungen so mancher Charaktere nicht nachvollziehen konnte, wegen deren fehlender Gefühle.

Alles in allem also eine kleine Enttäuschung für mich. Mein Gesamteindruck war allerdings gar nicht so negativ, wie man durch meine zahlreichen Kritikpunkte jetzt vermuten könnte, unbedingt weiterempfehlen möchte ich Die Wahrheit meines Vaters aber auch nicht.


Persönliche Bewertung
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Weitere Buchzitate
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~ Kein Mensch lebt in dieser Welt, ohne Spuren zu hinterlassen. ~ 
(S. 13)

~ Manchmal gehen wir mit verbundenen Augen durchs Leben und wollen 
uns nicht eingestehen, dass wir uns das Tuch selbst umgebunden haben. ~  
(S. 25)

~ Manche Lektionen kann man nicht lehren, sie müssen gelernt werden. ~ 
(S. 86)

~ Wenn es zwingend erforderlich ist, kannst du dein ganzes Leben in einen einzigen Koffer packen. Frag dich, was du wirklich brauchst, und du stellst fest, nur wenig von dem, was du in all den Jahren angehäuft hast, landet im Gepäck. ~
(S. 101)

~ Wenn du keine Fragen stellst, dann nicht immer, weil du Angst hast, jemand könnte dir 
ins Gesicht lügen. Manchmal auch weil du Angst hast, er könnte die Wahrheit sagen. ~  
(S. 113)

~ Wir sagen oft, dass wir für jemanden, den wir lieben, alles aufgeben 
würden, doch ich frage mich, wer das im Ernstfall wirklich tun würde. ~ 
(S. 114)

~ »Man kann einen Menschen lieben und trotzdem die Entscheidungen hassen, die er getroffen hat, oder?« ~
(S. 174)

~ Wenn du dich auf die Suche nach etwas machst, dann mach dich lieber 
darauf gefasst, dass du etwas finden könntest, was du nicht erwartet hast. ~  
(S. 196)

~ Wenn man immer und immer wieder gesagt bekommt, man sei jemand, der man gar 
nicht ist, fängt man irgendwann an, es zu glauben. Man lebt dieses andere Leben. 
Aber man trägt eine Maske, eine, die verrutschen kann, wenn man nicht aufpasst. ~ 
(S. 215)

~ »Erinnerung ist der einzige Weg nach Hause.« (Terry Tempest Williams) ~  
(S. 507)

»Ich hab gemerkt, wenn du dir nur stark genug wünschst, dass etwas wahr ist, dann 
kannst du es im Kopf neu schreiben. Und du kannst sogar anfangen, es zu glauben.« ~ 
(S. 534)



Die Autorin
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© Gasper Tringale

Jodi Picoult, geboren 1967 in New York, studierte in Princeton und Harvard. Seit 1992 schrieb sie mehr als zwanzig Romane, von denen viele Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste waren. Die Autorin wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, wie etwa 2003 mit dem renommierten New England Book Award. Picoult lebt mit ihrem Mann, drei Kindern und zahlreichen Tieren in Hanover, New Hampshire.



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3 Kommentare:

  1. Juhu Janine,

    schade das die das Buch nicht so gefallen hat. Gut, auch ich hab ja geschrieben das es jetzt nicht den Highlight-Status bekommt aber mir hat es immerhin etwas besser gefallen. In einigen Punkten gebe ich dir natürlich recht, auch wenn mir die Die Distanz nicht so extrem vokam wie dir. Ich konnte mich sehr wohl in einzelen Figuren hineinversetzen.

    Aber es ist ja gut wenn man unterschiedlicher MEinungen ist, denn wie könnten wir spannende Diskussionen führen wenn wir alle immer einer Meinung wären ;)

    Danke noch mal fürs verlinken, das ist wirklich mega lieb :D

    Liebe Grüsse
    Alexandra

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    Antworten
    1. Liebe Alexandra,
      ich danke dir für die Erlaubnis! :) Ja, das stimmt ... Ich habe das Buch ja in einer Leserunde gelesen, aber auch in der Runde waren wir uns alle ziemlich einig, dass die Gefühle gefehlt haben und gewisse Szenen für die eigentliche Thematik überflüssig waren. Es wäre interessant gewesen, die Ansichten eines Lesers lesen zu können, dem das nicht so vorgekommen ist. ;)

      Alles Liebe,
      Janine

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  2. Liebe Janine,

    nichts zu danken, im Gegenteil ;)
    ist schon interessant das alle das selbe Gefühl hatten. Ich find es eh immer wieder spannend wie ich manchmal so anders enmpfinde, ging mir ha auch grade erst letztens so, bei "Marisa-Das Lied der Insel", da sind alle völlig begeistert von und ich fand es einfach nur schlecht und langweilig...

    Ganz liebe Grüsse
    Alexandra

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