Sonntag, 7. Februar 2016

[Rezension] Marie spiegelt sich | Isabella Archan


» Seiten: 312
» Verlag: Conte
» Ersterscheinung: 24. September 2015
» ISBN: 9783956020742
» Format: Taschenbuch
» Preis: [A] 14,30 €  |  [D] 13,90 €
» Genre: Kriminalroman
» Wissenswertes: Band # 2 der Willa Stark - Reihe

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Reinlesen?Leseprobe

Mein Lesezeitraum: 3. - 6. Februar 2016




Die Buchrückseite
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Ein Geräusch. Eine Tür, die aufschwang.
Eine Bewegung. Ein eisiger Luftzug.
Marie hielt den Atem an. Ihr linker Zeh zuckte.
Dort, links. Dort an der Tür.
Sie war nicht mehr allein hier drinnen.

Winter in Köln: Marie ist dreizehn, Marie liebt ihren Stoffbären und Marie schreibt gerne. Sie erwacht in einem kalten Raum, dessen einziges Fenster zugemauert ist. Ihr Aufbäumen, ihr Widerstand, ihre Fluchtversuche scheitern und schließlich bleiben nur Durst und Kälte und Angst.

Maries Schule in Köln-Brück ist der letzte Ort, an dem sie gesehen wurde. Die Kripo Köln sucht fieberhaft, die Mutter verzweifelt und Willa Stark muss tief graben, um die Hoffnung am Leben zu halten.
Doch auch die Zeit der jungen Grazer Polizistin läuft ab und als die Suche nach Marie scheitert, sich alte wie neue Spuren im Schnee verlieren, helfen nur noch Mut und Waghalsigkeit. 


Der Erste Satz
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Sterne, denkt Es.


Meine  Meinung
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Ein überraschend mitreißender Krimi!

Wenn ihr euch die Buchbeschreibung durchlest, bekommt ihr schon einen sehr guten Eindruck von Isabella Archans Schreibstil. Dieser Stil, also diese kurzen beschreibenden Sätze, ziehen sich durch große Teile des Buches - vor allem in den beiden Erzählsträngen, in denen man die 13-jährige Marie und ihren Entführer kennenlernt, fand ich diesen Stil sehr ausgeprägt.
Einerseits schafft diese Art zu schreiben eine unheimlich spannende Atmosphäre, und teilweise wollte ich das Buch deswegen gar nicht aus den Händen legen. Andererseits ... wenn es dann so spannend ist und ich gerne schnell erfahren wollte, wie es weitergeht/endet, kamen mir diese kurzen Sätze etwas hinderlich vor. Schnell und flüssig lesen war bei so vielen Punkten dann eher nicht der Fall. - Ein derartiger Stil hat eben seine Vor- und Nachteile.

Vermisst.
Das klang nach Mist. Nach großem allumfassenden Mist.
(S. 174)

In diesem Buch geht es hauptsächlich um die Entführung der 13-jährigen Marie. Es gibt einige Erzählstränge bzw. Sichtweisen, aus denen erzählt wird. Aber die drei Hauptstränge waren wohl: Marie, Maries Entführer und die ermittelnde Polizistin Willa Stark. Der ständige Wechsel der Erzählstränge hat zusätzlich Spannung in die Geschichte gebracht, von Zeit zu Zeit waren mir diese often Wechsel dann aber doch anstrengend, denn jedesmal musste ich mich von Neuem an einen anderen Erzähler gewöhnen.

»Haben Sie schon mal etwas so gewollt, dass sie dafür gestorben 
wären, und als es dann da war, es stattdessen sterben lassen?«
(S. 284)

Als ich Marie kennengelernt habe, habe ich sie sofort ins Herz geschlossen. Es wird so viel über ihr Innenleben, ihre Ängste, Sorgen und bedrückende Gedanken verraten. Also dieses völlige Öffnen einer Person finde ich sehr liebenswert. Hinzu kommt, dass dieses junge Mädchen sehr authentisch dargestellt wurde, weswegen mich ihre zum Teil schönen poetischen Zeilen, die sie auf ihrem Netbook festhält, auch richtig berühren konnten.

Willa Stark, die ermittelnde Polizistin, ist eigentlich Grazerin und arbeitet zur Zeit bei der Kölner Kripo. Auch sie ist eine angenehme Persönlichkeit, von der ich gerne gelesen habe - und die eigentlich so gar nicht wie eine Kripobeamte rüberkommt ...

Und Maries Entführer, das Neutrum oder auch einfach nur Es, wie es im Buch beschrieben wird, ist ein eigenartiges Wesen, das bei mir erst mal große Fragezeichen entstehen hat lassen. Ich hatte lange Zeit gar keine Ahnung, wer der Entführer sein könnte oder gar ob er männlich oder weiblich ist. Dieses Nichtwissen hat bei mir jedenfalls zu jeder Menge Rätselraterei geführt.
Was ich leider bis zuletzt nicht verstanden habe, war, warum genau Marie vom Neutrum entführt wurde. Aber gut ... bei Psychopathen versteht man die genauen Gründe, warum sie etwas machen, wahrscheinlich oft nicht.

Etwas geschieht in deiner Kindheit, etwas, das du nicht fassen oder 
emotional verarbeiten kannst, es kann in der Realität kleiner oder 
größer sein, aber in deinem Inneren wird eine kranke Saat gesät. In 
deinem Herzen wächst ein Baum, dessen Äste dich irgendwann erdrücken.
(S. 302)

Alles in allem ein sehr guter Krimi, der mich doch überrascht hat. Ich hätte nicht gedacht, dass er mich streckenweise so mitreißen könnte.
Lediglich etwas unangenehm fand ich, dass mein schneller Lesefluss durch den markanten Schreibstil manchmal gestört wurde. Und auch, dass ich das genaue Warum von Maries Entführung nicht verstanden habe.
Ein wenig Luft nach oben gibt es in meinen Augen also noch. Nichtsdestotrotz möchte ich auf alle Fälle Isabella Archans ersten Band (Helene geht baden) um Willa Stark beizeiten auch noch lesen!


Persönliche Bewertung
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Weitere Buchzitate
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~ Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.
Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.  
(Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse) ~ (S. 7)

~ Ich glaube, dass der Weg zu den Erwachsenen durch ein Land 
führt, dessen Straßen mit großen Steinen blockiert sind. ~ (S. 46)

~ Verloren sein heißt doch auch, dass es die Möglichkeit gibt, gefunden zu werden, oder? ~ (S. 52) 

~ Ich glaube, dass es den Hass geben muss, weil nur aus ihm Liebe entstehen kann. ~ (S. 191) 

~ Schweigen lässt Raum entstehen. Für Neues. ~ (S. 282)





Die Autorin
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Foto: TB Martin

Nach vielen Jahren als Schauspielerin an Staats- und Stadttheatern in Österreich, Deutschland und der Schweiz lebt Isabella Archan derzeit freiberuflich in Köln. Am Staatstheater in Saarbrücken war sie unter anderem als Gretchen in Faust 1 zu sehen. 

Seit einiger Zeit schreibt sie Theaterstücke, Kurzgeschichten und liefert mit Helene geht baden ihren ersten Kriminalroman.

Neben eigenen Krimi-Theater-Abenden ist die gebürtige Grazerin immer wieder in verschiedenen Rollen im TV zu sehen, unter anderem im Tatort, der Lindenstraße und Diese Kaminskis.

Hier geht's zum Facebook-Profil des Autors.





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2014
2016
2014
2015



















Herzlichen Dank an Isabella Archan für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

4 Kommentare:

  1. Liebe Janine

    Mit deiner tollen Rezi hast du mir erst Recht Lust auf den Krimi gemacht. Im Moment platzen hier alle Regale aus ihren Nähten, aber wenn ich meinen SuB wieder ein wenig abgebaut...ach egal. Ich schaffe es so oder so nicht. Kommt auf die Wunschliste :-)

    Ganz liebe Grüsse und morgen einen guten Start in die Woche
    Livia

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    Antworten
    1. Haha^^, das kenne ich nur zu gut, das mit den "aus den Nähten platzen". :D Gott sei Dank hält uns das nicht davon ab, ein Buch auf unsere (mittlerweile sicher kilometerlange) Wunschliste zu setzen. ;)
      Alles Liebe ♥

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  2. Hallo Janine

    Eine tolle Rezension. Anscheinend ist dieses Buch nicht leicht zu lesen.

    LG, Gisela

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    1. Hallo liebe Gisela! :)
      Oh doch, leicht schon, aber der Lesefluss ist durch den einmaligen Schreibstil eben nicht immer so gegeben, wie ich ihn mir gewünscht hätte. Nichtsdestortrotz war die Story wirklich gut - ich bin wunderbar unterhalten worden. ;)
      Alles Liebe ♥,
      Janine

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