[Rezension] Wo bist du? | Stefanie Kollmann-Obwegeser

Freitag, 16. September 2016


Seiten: 190
Verlag: AAVAA
Ersterscheinung: 1. Februar 2016
ISBN: 9783845918327
Format: Broschur
Preis: 11,95 €
Genre: (Liebes)roman

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Mein Lesezeitraum: 3. - 13. September 2016




Die Buchrückseite
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Sie liebt das Leben. Sie liebt Berlin. Und ihre Liebe. Mit ihrem Liebsten ist das eine ganz besondere Sache. Seit über 15 Jahren führen die beiden eine offene Beziehung, sie in Berlin, er in Hamburg oder dem Rest der Welt. Sie ist eine junge Chirurgin in Berlin und er Kriegsberichtsreporter im Nahen Osten. Alles ist gut, wie es ist. Doch dann wird sie schwanger. Er ist gerade auf eine lange Reise nach Syrien gegangen und sie ist alleine in Berlin. Fortan denkt sie nur noch an ihre Beziehung und an ihre Zukunft. Nur weil sie schon über 30 ist, braucht sie nicht in einem klassischen Beziehungsmodell zu leben und an einen klassischen Haus-Garten-Baby-Katzen-Tomaten-Traum zu denken. Oder doch?
Sie ist schwanger in Berlin und er ist nicht zu erreichen. Sie fragt sich, ob ihm was passiert ist. Lebt er noch? Wird sie eine alleinerziehende Mutter sein? Wo ist ihre Liebe nur hin?
Sie fragt sich immer wieder: »Wo bist du?«


Der Erste Satz
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Der Arzt: »Also gut, es passiert also immer noch nichts?«


Meine  Meinung
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Wo bleibt der werdende Papa nur so lange?

Vom Beginn des Buches war ich wirklich begeistert: mir hat der lockere Schreibstil und der Humor darin so gut gefallen. Die Protagonistin findet ja heraus, dass sie schwanger ist, kurz nachdem ihr Liebster für unbestimmte Zeit in den Nahen Osten abgedüst ist, um dort als Kriegsberichterstatter seinen Job zu tun. Leider ist der Gute nicht erreichbar und so führt die schwangere Hauptfigur fast die ganze Geschichte über einen Monolog bzw. hängt ihren Erinnerungen nach, an die Monate und Jahre, bevor ihr Freund, mit dem sie eigentlich seit 15 Jahren eine mehr oder weniger offene Beziehung führt, mal wieder abgereist ist. Sie macht sich Gedanken darüber, wie die gemeinsame Welt aussehen wird, wenn das Baby da ist, sorgt sich, ob ihr Freund rechtzeitig zur Geburt wieder da sein wird, und wirft sich vor, dass sie ihm nicht schon eher geschrieben hat, dass sie schwanger ist.

Im Grunde erzählt die Protagonistin in diesem Buch davon, was sie alles während ihrer Schwangerschaft erlebt hat, welche Ängste sie heimgesucht haben und welche Unglaublichkeiten ihr widerfahren sind. Und zwischendurch schweifen ihre Gedanken immer wieder zum werdenden Vater ab und zu der Frage: »Wo bist du?«. Dabei war ich mir aber ziemlich sicher, dass die werdende Mutter eher wissen wollte, wo der Papa denn nur BLEIBT und nicht, wo er sich genau befindet ... ;)

Ich will einfach nur, dass du wieder heil zu mir zurückkommst. Mir ganz egal unter welchen Voraussetzungen. Wenn du nur noch einen Arm oder nur noch ein Bein hast, ist mir das völlig egal. So lange ich dein Herz habe, ist mir alles recht. Und so lange du mein Herz auf deiner Reise nicht verloren hast ...
(S. 178)

Geschrieben ist das Ganze ziemlich witzig, der Humor ist absolut mein Fall und ich habe mich einige Male beim herzhaft Lachen oder Losprusten ertappt. Auch die Situationskomik bzw. die Art, wie die Buchfigur gewisse Situationen beschrieben hat, war für mich teilweise zum Brüllen komisch.

Was mir mit der Zeit ein bisschen auf den Keks gegangen ist, war die Frage »Wo bist du?«. Mir ist bewusst, dass der Titel so heißt und ich bin auch davon ausgegangen, dass diese Frage das eine oder andere Mal wohl auch im Buch auftaucht, aber irgendwann ist es mir so vorgekommen, als würde sie sich die Protagonistin permanent stellen ... und irgendwann empfand ich das eben als ein wenig langweilig und vom ewigen »Wo bist du?«-fragen ist bisher ja auch noch niemand wieder nach Hause gekommen, oder?

Mit der Protagonistin selbst bin ich recht schnell warmgeworden. Auch, wenn unsere Ansichten und Wahrnehmungen in mancherlei Hinsicht etwas auseinandergegangen sind, durch ihren großartigen Humor, ist sie mir so schnell sympathisch geworden und ans Herz gewachsen, dass ich sie mir sogar als Freundin hätte vorstellen können. ;)

Für mich war diese Geschichte - wenn man das häufige »Wo bist du?«-Gefrage jetzt mal außer Acht lässt - wirklich kurzweilig und unterhaltsam. Ich habe sie mit richtig viel Spaß und Freude gelesen und deswegen gibt es dafür gerne auch eine Leseempfehlung von mir!


Persönliche Bewertung
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Weiteres Buchzitat
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~ Wann fühlt man sich denn überhaupt erwachsen? Spürt man das dann einfach so? Wacht man eines Morgens 
auf und denkt sich: »So, jetzt bin ich erwachsen.«? Oder gibt es Momente, die aus einem prä-erwachsenen 
Menschen einen voll-erwachsenen Menschen machen? Gibt es Erfahrungen wie Verantwortung über andere zu 
übernehmen oder ein Leben zu retten oder so irgendwas, das einem dann das Gefühl des Erwachsenseins gibt? ~ 
(S. 56/57)



Die Autorin
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Stefanie Kollmann-Obwegeser hat in Wien die Studien Germanistik, Geschichte und Linguistik studiert und danach einige Jahre in Berlin gelebt, um dort das Leben zu genießen. Nach der Geburt ihres Sohnes 2013 ist sie wieder in ihre Heimat Österreich zurückgekehrt und lebt dort ihren persönlichen Haus-Garten-Baby-Katzen-Traum ohne Tomaten.
Sie ist selbstständige Historikerin und Kulturwissenschaftlerin und liebt es, kulturwissenschaftliche, gendertheoretische oder mittelalterliche wissenschaftliche Texte zu lesen. Manchmal schreibt sie selbst den einen oder anderen wissenschaftlichen Beitrag.
Und dann liebt sie auch noch das Schreiben - das literarische Schreiben. Die Idee zu Wo bist du? kam ihr spontan bei einem Glas Wein zu Weihnachten - wann denn eigentlich sonst, oder? Schlussendlich wurde aus der Idee ein Text. Und aus dem Text wurde ein Buch.

-) Hier findet ihr ein kurzes Interview mit der Autorin. 

-) Hier findet ihr die Webseite von Stefanie Kollmann-Obwegeser. 
-) Und hier geht's zum Facebook-Profil der Autorin.


Kommentare:

  1. Hey,

    inhaltlich klingt das Buch total klasse, auch wenn die offene Beziehung schon wieder nicht so meins ist.

    Es freut mich zu lesen, dass du so viel Spaß mit dem Buch gehabt hast. So sollte es doch im besten Fall sein. :)

    Für mich hat das Buch leider zu wenig Seiten, sonst wäre das sicher auf meine Wunschliste gewandert. Aber ich kenn mich ja, ich schimpfe nachher nur wieder, dass es so kurz war.

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    1. Genau, so sollte es im Idealfall immer sein: dass man seinen Spaß an der Geschichte hat. ;)
      Für mich sind Bücher mit wenigen Seiten momentan eh optimal, da ich gerade weniger zum Lesen komme und unter Umständen dann ewig an einem Buch hänge, wenn es eben so viele Seiten hat. :)

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