[Rezension] 28 Tage lang | David Safier

Sonntag, 10. April 2016


» Seiten: 402
» Verlag: Rowohlt
» Ersterscheinung: 14. März 2014
» ISBN: 9783499266638
» Format: Taschenbuch
» Preis: [A] 10,30 €   [D] 9,99 €
» Genre: (Historischer) Jugendroman

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Mein Lesezeitraum: 4. - 9. April 2016





Die Buchrückseite
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28 TAGE ...
UM EIN GANZES LEBEN ZU LEBEN, 
UM DIE WAHRE LIEBE ZU FINDEN, 
UM EINE LEGENDE ZU WERDEN. 

Warschau 1943: Die sechzehnjährige Mira schmuggelt Lebensmittel, um im Warschauer Ghetto zu überleben. Als sie erfährt, dass die gesamte Ghettobevölkerung umgebracht werden soll, schließt sich Mira dem Widerstand an. Der kann der übermächtigen SS länger trotzen als vermutet. Viel länger. 28 TAGE LANG.

28 Tage, in denen Mira Momente von Verrat, Leid und Glück erlebt.
28 Tage, in denen sie sich entscheiden muss, wem ihr Herz gehört.
28 Tage, um ein ganzes Leben zu leben.
28 Tage, um eine Legende zu werden.


Der Erste Satz
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Sie hatten mich entdeckt.


Meine  Meinung
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Schwer verdaulicher Lesestoff 

»Was für ein Mensch willst du sein?« - Diese Frage taucht hier immer wieder auf die eine oder andere Weise - entweder direkt, oder in Form von Entscheidungen der Protagonisten - auf. Die Frage, was du alles dafür tun würdest, um zu überleben, zieht sich durch das gesamte Buch. Und die Antworten darauf sind nicht immer leicht zu verkraften - weder für den Leser, noch für die Protagonisten selbst.

Ich konnte es immer noch nicht glauben. In einer Welt, in der jeder nur an sich dachte, hatte jemand alles für mich aufs Spiel gesetzt.
(S. 22)

»28 Tage lang« war nun mein zweites Buch, in dem der Holocaust thematisiert wurde. Und wie auch schon bei »Bis ans Ende der Geschichte« von Jodi Picoult wurde ich auch hier in David Safiers (allererstem ernsten) Roman einfach nur überwältigt - emotional gesehen. Die sinnlosen Gräueltaten, die Verbrechen und unzähligen Morde an den Juden im Warschauer Ghetto ... all das lesen zu müssen, ist schon echt harter Tobak. Oft musste ich schlucken und dann wieder tief Luftholen nachdem ich ein Kapitel beendet hatte. Gleichzeitig wurde ich von der Geschichte enorm gefesselt und mitgerissen, sodass ich am liebsten alles in einem Rutsch gelesen hätte.

Hannah wäre lieber unsichtbar gewesen als stark. Der Unsichtbare überlebte im Ghetto eher als der Starke.
(S. 50)

Dies ist eine Geschichte, deren Charaktere zwar fiktiv sind, die Handlung so aber tatsächlich stattgefunden hat. Das hat dem Autor ermöglicht, den Protagonisten eigene Emotionen und Gedanken zu geben. Wären seine Charaktere echte gewesen, hätte er nicht so frei schreiben können.
Ich persönlich finde, dass Safier hier ein wirklich grandioses Buch gelungen ist! - Ein Buch, in dem er uns einen kleinen Teil dieser fürchterlichen Menschheitsgeschichte durch die Augen von Mira, einer Jugendlichen, die mit allen Mitteln um ihr Leben und das ihrer Schwester Hannah kämpft, sehen und auch miterleben lässt. Das ist tragisch und unglaublich erschütternd, aber es gibt glücklicherweise auch immer wieder Momente, in denen die Hoffnung Mira am Laufen hält.

Außer Leuten wie Amos glaubte niemand an die Vernichtung.
Weil es einfacher zu ertragen war, nicht an sie zu glauben? Oder weil die in Wahrheit nur ein Hirngespinst war? Menschen in Lastwagen sperren und sie mit Abgasen zu ersticken ... so krank konnten doch nicht mal die Deutschen sein.
(S. 128) 

Eine Geschichte voller Angst, Furcht, Hass und Erschöpfung, aber auch voller Hoffnung, Fürsorge und Liebe. Alles kann einem Menschen dann doch nicht genommen werden, selbst in noch so aussichtslosen Situationen. Und das zeigt sich in diesem Buch zwischen den Zeilen immer wieder.
Ein Buch, das während dem Lesen und nach dem Beenden sehr nachdenklich stimmt und mir wieder aufs Neue bewusst gemacht hat, dass Freiheit in unserer Welt nicht immer selbstverständlich ist und theoretisch jederzeit vorbei sein kann.


Persönliche Bewertung
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Weitere Buchzitate
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~ Jeder ist frei zu entscheiden, was für ein Mensch er sein möchte. ~
(S. 45)

~ »Die Frage ist, kleine Mira, was für ein Mensch möchtest du sein?«
»Einer, der überlebt«, antwortete ich leise, abwehrend.
»Das scheint mir als Sinn des Lebens nicht unbedingt ausreichend«, antwortete der Clown.
~
(S. 45)

~ Es gibt nichts Wunderbareres, als an rein gar nichts zu denken. ~
(S. 280)





Der Buchtrailer
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Der Autor
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© Roman Raacke

David Safier, 1966 geboren, zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der letzten Jahre. Nach seiner Journalistenausbildung sammelte er erste redaktionelle Erfahrungen im Hörfunk und Fernsehen. Seit 1996 verfasste er überwiegend Drehbücher. Die von ihm als Hauptautor entwickelte Sitcom »Berlin, Berlin« wurde 2003 mit dem Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie »Fiktion und Unterhaltung« ausgezeichnet. Zudem erhielt sie 2004 den bekannten US-amerikanischen Fernsehpreis Emmy.
Seine Romane »Mieses Karma«, »Jesus liebt mich« und »Plötzlich Shakespeare« erreichten Millionenauflagen. Auch im Ausland sind seine Bücher Bestseller.
David Safier lebt in Bremen, ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund.







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Oktober 2015








... usw.







Kommentare:

  1. Hi Janine!

    Eine echt schöne Rezi! Ich muss gestehen, dass das Buch schon eine Weile bei mir subt, glaub ich muss dazu in der Stimmung sein! Ich werde es aber auch bald lesen!

    Liebe Grüsse
    Jessi

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    1. Danke Jessi! :) Auf beschwerenden Lesestoff musst du dich hier schon einstellen, das stimmt. Aber lass dir nicht zu lange Zeit: du wirst es nicht bereuen. ;)

      Alles Liebe,
      Janine

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  2. Hallo Janine,

    eine tolle Rezension! Ich hab ja schon öfter überlegt, ob ich das Buch lesen soll. Seine humorvollen Romane hab ich ja gelesen, da würde es mich schon interessieren, ob mir auch das ernstere zusagt..

    alles Liebe Nicole

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    1. Hallo Nicole,
      danke dir! Also, wenn dir die lustigen Bücher von Safier zugesagt haben, dann enttäuscht dich "28 Tage lang" ganz bestimmt nicht. Ich fand es sogar besser als "Mieses Karma" und "Plötzlich Shakespeare". Man merkt hier richtig, dass es ein Herzensprojekt vom Autor ist.

      Alles Liebe,
      Janine

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  3. Eine tolle Rezi Janine

    Schön, dass dir das Buch - trotz dem heftigen Inhalt - so gut gefallen hat. Ich hoffe, dass ich es mir bald bestellen und dann auch endlich einmal lesen kann.

    Ganz liebe Grüsse
    Livia

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    1. Danke Livia! :) Mir hat es, glaube ich, gerade wegen dem nicht so einfach wegzusteckenden Inhalt, der auf einer wahren Begebenheit beruht, so gut gefallen. Solche Bücher gehen mir immer sehr zu Herzen!

      Alles Liebe,
      Janine

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  4. Ich dachte erst, ich les nicht richtig, denn von Safier sind mir bisher wirklich immer nur die "lustigen" Bücher begegnet, von denen ich aber auch noch keins gelesen habe. (ich fürchte auch, das ist nichts für mich)
    Dieses werde ich mir jetzt aber mal genauer anschauen..

    Herzige Grüße
    Jane :)

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    1. "28 Tage lang" ist bisher auch Safiers erstes (und bisher einziges) ernstes Buch. Vor 20 Jahren hatte er dazu seine ersten Gedanken gehabt. Tatsächlich entstanden ist es aber erst vor 2 Jahren. Ich finde ja, dass dieses Buch hier sogar besser ist, als "Mieses Karma" und "Plötzlich Shakespeare", die ich davor schon gelesen habe. Aber auch seine lustigen Bücher kann man nicht wirklich mit herkömmlichen humoristischen Büchern vergleichen, finde ich. - Der Autor hat seinen ganz eigenen (niveauvollen) Stil!
      Wenn du noch nie etwas von Safier gelesen hast, solltest du ihn unbedingt mal austesten. ;)

      Alles Liebe,
      Janine

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    2. Ich glaub, "28 Tage" werde ich mir von ihm wirklich zulegen, aber von seinen anderen Büchern lass ich wohl lieber die Finger - Humor ist ja nicht ganz so mein Genre. ;) (ich bin nur unheimlich schadenfroh *lach-und-schäm*)

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  5. Mich interessiert das Buch ja auch schon länger und ich hab auch kurz überlegt ob ich nicht bei euch mitlesen soll.
    So wie ich mich kenne, wird das aber ewig auf meinem SuB liegen, weil ich mich einfach nicht rantraue.

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    1. Oh, das hättest du tun sollen! :) Es gab genug Stoff zum Diskutieren und hinterfragen. Und die Geschichte ist schon hart und traurig, aber auch so viel mehr! So zartbesaitet wirst du nicht sein, hoffe ich. ;) Aber auch denen kann ich den Roman nur empfehlen, es geht nämlich um ein Stückchen Geschichte und ich finde es wichtig, den Mut aufzubringen, etwas über die damalige fürchterliche Realität der Juden (mit all ihren menschlichen und unmenschlichen Entscheidungen) zu erfahren.

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  6. Ave,
    mir ging es bei dem Buch ähnlich wie dir, allerdings glaube ich, dass es auch kaum möglich ist, beim Lesen anders zu reagieren. Außerdem kann ich nur zustimmen, dass es die richtige Wahl war, fiktive Charaktere als realer Schicksale zu verwenden.
    Denkst du, du wirst in nächster Zeit noch mehr zu der Thematik lesen?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

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    1. Grüß' dich,

      ja, das finde ich auch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand in Anbetracht dieser Ereignisse nicht mitgenommen wird. Es sei denn, er kann es, seine Gefühle beim Lesen auszustellen? ;)
      Oh, auf jeden Fall! Vielleicht nicht direkt morgen, aber bald ganz bestimmt. Ich habe mir schon überlegt, mit dem "Tagebuch" von Anne Frank weiterzumachen. Das interessiert mich aktuell am meisten - und da es schon sehr viele Leute gelesen haben, möchte ich auch mitreden können.

      Herzliche Grüße ♥,
      Janine

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  7. Ich kann unter deiner Antwort nicht antworten, aaaaaaaaber: Das Tagebuch von Anne Frank will ich dieses Jahr auch noch unbedingt lesen. Wir haben uns ja schon über die LR Problematik unterhalten, aber falls du Lust hast das gemeinsam zu lesen, bin ich deine Frau :) Aber fühl dich bitte nicht verpflichtet, ich versteh das wenn du nicht mgast und bin auch nicht böse ;)

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    1. Klar hab ich Lust! :-) Aber mehr als 2 LR pro Monat möchte ich nicht mehr machen. Falls du in nächster Zeit schon lesen magst: Mein Mai ist leider schon ausgebucht. Aber im Juni ist neben der Picoult-Runde noch ein Platz und im Juli sogar noch 2. :)

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    2. Das ist mir egal. Ich richte mich ganz nach dir :)

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    3. Okay, dann schmeiße ich jetzt mal den 24. Juni in den Raum. :) Hast du ab da schon was vor? Und bei wem?

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    4. Nein, das passt mir gut :)
      Ist mir auch gleich :D Gern bei dir ;)

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    5. Gut, gut. Ich habe es mir notiert. :)

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