[Rezension] Ein Leben mehr | Jocelyne Saucier

Montag, 21. Dezember 2015


» Seiten: 192
» Verlag: Insel
» Ersterscheinung: 8. August 2015
» ISBN: 9783458176527
» Format: Hardover mit Schutzumschlag
» Preis: [A] 20,60 €  |  [D] 19,95 €
» Originaltitel:  Il pleuvait des oiseaux
» Genre: Roman

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Reinlesen? - Leseprobe

Mein Lesezeitraum: 13. - 19. Dez. 2015






Die Buchrückseite
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Drei alte Männer leben in den Tiefen der nordkanadischen Wälder, sie verbringen ihre Tage in gemächlicher Einsiedelei, sie angeln, sie jagen, plaudern, träumen vor sich hin. Bis eines Tages eine Fotografin und eine geheimnisvolle Dame von zweiundachtzig Jahren dazustoßen - und zwischen ihnen allen etwas entsteht, das niemand für möglich gehalten hätte.


Der Erste Satz
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Eine Geschichte, in der es um Menschen geht, die spurlos verschwinden, um einen Todespakt, der dem Leben sein Salz gibt, um den unwiderstehlichen Ruf der Wildnis und um die Liebe, die dem Leben einen Sinn gibt.


Meine  Meinung
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Das Leben, das Altern und der Tod

Jocelyne Saucier erzählt hier von ganz eigenen/alten Menschen, die sich im nordkanadischen Wald versteckt/zurückgezogen haben, um dort, abseits der Zivilisation, ihren Lebensabend zu verbringen. Die Rede ist von Charlie, Tom und es gab auch noch einen dritten Alten, Boychuck, aber der ist vor kurzem gestorben ...
Wer sich nun fragt, wie man als über 90-Jähriger in einer Waldhütte auf Dauer überleben kann: es ist nämlich so, dass die Männer von jüngeren Freunden, die dubiose Geschäfte führen, Hilfe in Form von allem möglichen materiellen Zeug erhalten.

"Man ist frei, wenn man sich aussuchen kann, wie man lebt."
(S. 7)

Aber wer glaubt, dass das wohl nur eine ziemlich langweilige Geschichte über alte Männer, die im Wald auf ihr Ableben warten, ist, der irrt. Einer der Freunde bringt nämlich schon bald seine Tante, die alte Dame, oder Marie-Desneige, wie sie schon bald genannt wird, mit in den Wald. Die alte Dame hat eine ein wenig traurige Lebensgeschichte hinter sich und je mehr man von ihr erfährt und man mitbekommt, wie sie im Wald und allen voran bei Charlie, aufblüht, desto mehr wünscht man sich, man hätte sie schon eher aus der Zivilisation in die wilde Natur zu den Alten gebracht.
Und dann gibt es da noch die Fotografin, eine plötzlich auftauchende, jüngere Besucherin, die sich erstens für alte Menschen, von denen sie Fotos schießen kann und zweitens für den toten Boychuck, der der letzte Überlebende vom großen Brand in Matheson gewesen sein soll, interessiert.

Die beiden Einsiedler waren ganz besondere Exemplare in ihrer Sammlung alter Leute.
(S. 86)

Aber dass die Fotografin gar nicht mehr gehen will bzw. immer wieder kommt, damit hat niemand gerechnet. Ich auch nicht. Aber nicht, weil ich die Idee, in einer Hütte im Wald zu leben, schrecklich finde, sondern eher, weil diese alten Menschen in den Wald gegangen sind um dort ihr restliches Leben bis zu ihrem Tod zu genießen und die Fotografin da eben irgendwie ... nicht reinpasst.

Marie-Desneige ist ein ganz besonderer Charakter. Als zartes, zerbrechliches Vögelchen wird sie von der Autorin dargestellt und es war sehr schön zu lesen, dass für sie nun, bei Charlie im Wald, ihr Leben erst richtig beginnt ...

Keiner von uns will sterben, fügte Charlie hastig hinzu, aber es 
hat auch niemand Lust auf ein Leben, das einem nicht mehr gehört.
(S. 106)

Auch die Liebe bekommt in diesem Buch noch ihren Platz, sie muss erst vielleicht noch ein bisschen warten, aber dann, dann kommt sie, zeigt den Charakteren, wie es mit ihr sein kann und lässt ein Gefühl zurück, das sich anfühlt, als hätte man ein Leben mehr ...


Persönliche Bewertung
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Weitere Buchzitate
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~ "Wenn ein Toter lächelt, ist das ein Geschenk an die Nachwelt." ~ (S. 46)

 ~ Die Liebe verleiht einem jungen Menschen Flügel. ~ (S. 80)

~ Wenn Menschen, die es nicht gewohnt sind zu lächeln, es doch einmal tun, leuchtet ihr ganzes Gesicht. ~ (S. 144) 

~ Wenn der Schmerz dich zerfrisst, bleibt kein Raum für andere Gefühle. ~ (S. 151)

 ~ Hast du kein eigenes Leben? Oder warum interessierst du dich so sehr für das Leben anderer? ~ (S. 157)

~ Für Marie-Desneige waren die Stunden, Tage, Wochen und Monate eine Abfolge 
einzelner Augenblicke. Sie scherte sich nicht um die Zeit, die verging. ~ (S. 158) 

~ Wenn die Strömung dein Boot abtreibt, musst du eben anders rudern. ~ (S. 159)

 ~ Sie glaubten fest, dass man im Leben erst durch die Finsternis gehen muss, um ins Licht zu gelangen. ~ (S. 185)

~ Zum Glücklichsein braucht es nicht viel, man muss es nur wollen. ~ (S. 192)



Die Autorin
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© Cyclopes

Jocelyne Saucier, geboren 1948 in der Provinz New Brunswick, lebt heute in einem Zehn-Seelen-Ort im Wald, im nördlichen Québec. Sie arbeitete lang als Journalistin, bevor sie mit dem literarischen Schreiben begann. Ein Leben mehr ist ihr vierter Roman, der erste in deutscher Sprache, er ist ein fulminanter internationaler Erfolg und wird derzeit verfilmt.












Weitere Rezensionen zu vorgestelltem Buch
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Ich danke dem Suhrkamp / Insel - Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! ♥

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