[Rezension] Fünf Tage, die uns bleiben | Julie Lawson Timmer

Samstag, 15. August 2015


» Seiten: 428
» Verlag: Bastei Lübbe
» Ersterscheinung: 16. April 2015
» ISBN: 9783431039160
» Format: Klappenbroschur
» Preis: [A] 15,50 €  |  [D] 14,99 €
» Originaltitel: Five Days Left
» Genre: (Frauen)roman

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Mein Lesezeitraum: 9. - 13. August 2015





Worum Geht's? 
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Chorea Huntington nennt sich die Erbkrankheit, an der die 42-jährige Mara, erfolgreiche Anwältin und Mutter einer 5-jährigen Tochter, leidet. Mit dieser Diagnose gilt man als ›unheilbar krank‹. Die Gehirnzellen sterben nach und nach ab und man verliert immer mehr die Kontrolle über seinen eigenen Körper. Für die ehrgeizige Mara ist das natürlich eine Horrorvorstellung: auf die Hilfe anderer Leute angewiesen zu sein, früher oder später in einem Pflegeheim zu landen und zum Schluss nicht mal mehr etwas von der Umwelt wahrzunehmen, geschweige denn seine Liebsten zu erkennen. - Das kann Mara auf gar keinen Fall eintreten lassen. Also gibt sie sich selbst ein Versprechen. Ein Versprechen, das mit akribischer Planung und Abschiednehmen zu tun hat ...


Der Erste Satz
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Mara hatte sich schon vor langer Zeit für eine Methode entschieden: Tabletten, Wodka, Kohlenmonoxid.
 
 
Meine  Meinung
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Erkennt man den perfekten,
letzten gemeinsamen Moment, wenn er da ist?
 
Über Chorea Huntington habe ich bisher noch nicht viel gehört. Mit welchen Symptomen man dabei zu rechnen hat, wusste ich ebenso wenig, wie von der Tatsache, dass diese Krankheit früher oder später zum Tod führt. Nach dieser Lektüre bin ich ein wenig schlauer und kann mir gut vorstellen, was es bedeutet mit so einer Diagnose konfrontiert zu sein. Vor allem habe ich das der Protagonistin Mara zu verdanken, die mir sehr gut verständlich machen konnte, was es heißt, mit den Chorea Huntington-Symptomen und dem ständigen Wissen, dass seine Tage auf dieser Welt gezählt sind, zu leben.
 
Mara war mir, als ich sie anfangs kennengelernt habe, gar nicht so sympathisch. Sie erschien mir erst viel zu ehrgeizig und karrieregeil, so dass sogar ihre kleine Familie (Tochter und Ehemann) hintangestellt wurde. Durch das Fortschreiten ihrer Krankheit wurden ihr aber die Augen geöffnet und sie hat verstanden, dass Zeit ein kostbares Gut ist und sie diese mit den allerwichtigsten Menschen in ihrem Leben verbringen will. - Diese Entwicklung fand ich sehr sympathisch, auch wenn es mich im ersten Moment etwas traurig gestimmt hat, dass man so eine Erkenntnis oftmals erst hat, wenn man dem Tod ins Auge blicken muss.
 
Aber die Gefahr drohte ja nicht von außen, und es war egal, wie nah er
sie zu sich heranzog, dass er ihren Körper mit seinem bedeckte - sie wusste,
dass er sie nicht vor dem Angriff ihres eigenen Körpers schützen konnte.
(S. 97)
 
Eigentlich gibt es in dem Buch zwei verschiedene Erzählstränge: zum einen Mara mit ihrer Krankheit, ihren Ängsten, aber auch Plänen für die Zukunft und zum anderen Scott, eine Internetbekanntschaft von Mara, der auch mit dem "einen oder anderen" Familienproblem umzugehen hat und sich, ebenso wie Mara, mit dem Abschiednehmen konfrontiert sieht. Über ein Forum kommunizieren die beiden miteinander und Spenden sich gegenseitig Trost.
Für mich waren beide Erzählstränge optimal, denn hätte ich nur von einem der beiden gelesen, wäre mir die ganze Story vielleicht zu bedrückend/zu schwer vorgekommen. Diese Abwechslung fand ich gut und auflockernd. So lag der Fokus nicht nur beim Traurigen, sondern auch am Schönen/Hoffnungsspendenden.
Die wirklich berührenden Stellen waren, vor allem zum Ende hin, eh so traurig, dass ich (nach ziemlich langer Zeit mal wieder) erst nur mit den Tränen zu kämpfen hatte und dann, als der Abschied für Mara wirklich in greifbarer Nähe war, einen richtigen Heulkrampf bekommen habe (von dem ich mich auch gar nicht so schnell wieder gefangen habe).
 
Musste man denn die perfekte Kontrolle über seine Gliedmaßen haben,
um eine gute Mutter zu sein? Ging es nicht vielmehr um Liebe, eine so
starke Liebe, dass man die Chance, das alles hinter sich zu lassen,
 verstreichen ließ, um für sein Kind da zu sein, egal, in welcher Verfassung?
(S. 257)
 
Dieses Buch lässt sich wirklich flüssig lesen, man mag es gar nicht aus der Hand legen. Man erfährt darin viel über die Erbkrankheit Chorea Huntington im Allgemeinen, wie auch über die Symptome und das Leben mit ihr.
Maras Geschichte befasst sich viel mit dem Thema "das Leben meiner Liebsten nach meinem Tod" und dem Abschiednehmen von den Menschen, die im Leben das Allerwichtigste sind. Das Leben und den Moment zu genießen, aber auch glücklich mit und dankbar für die Menschen zu sein, die das eigene Dasein bereichern, sind Botschaften, die die Autorin mir mit diesem Roman bewundernswert einfühlsam und berührend vermitteln konnte.


Persönliche Bewertung
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Weitere Buchzitate
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Rationalität und Logik haben wohl nichts zu melden, wenn man
plötzlich mit der Diagnose ›unheilbar krank‹ klarkommen muss. ~ (S. 105)

 Wenn jemand wegen seiner Krankheit irgendetwas Komisches macht, was man nicht
gut findet, muss man sich ganz viel Mühe geben, nicht böse auf denjenigen zu sein.
Weil nämlich die Krankheit schuld daran ist, nicht der Mensch. ~ (S. 276)


Die Autorin 
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© Myra Klarman

Julie Lawson Timmer wuchs in Stratford, Colorado, auf und absolvierte ein Jurastudium an der Southern Methodist University. Sie arbeitet als Anwältin und lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Ann Arbor, Michigan. In ihrer Freizeit schreibt sie Romane. Ihr Debütroman Fünf Tage, die uns bleiben begeisterte in den USA Leser und Presse gleichermaßen.

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Weitere Rezensionen zu vorgestelltem Buch
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Kommentare:

  1. Huhu Janine,
    Warum habe ich noch nichts von diesem Buch gehört?? :O Deine Rezension ist echt wunderschön!! Das Buch setze ich mir sofort auf die WuLi, denn du hast es mir mit deinen Sätzen gerade total schmackhaft gemacht!!
    Liebe Grüße
    Leni =)

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    1. Hallo Leni,
      nicht viele kennen dieses Buch, derweil ist das jammerschade, denn es enthält ein paar sehr schöne und vor allem wichtige Botschaften, die wirklich berührend sind. Ich selbst kannte den Roman aber bis vor kurzem auch noch nicht, ich habe ihn bei WLD in einem Wanderbuch-Thread gefunden und mich gleich angemeldet. - Gott sei Dank, sonst hätte ich diesen Schatz, der für mich zu einem Stern am Bücherhimmel geworden ist, wahrscheinlich nie gelesen.
      Freut mich sehr, dass du dich durch meine Rezension entscheiden konntest, es auf deine Wunschliste zu setzen. :-)
      Alles Liebe ♥

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    2. Huhu Janine,
      jaja diese Wanderbuch-Threads sind schon was tolles! Aber der Satz "diesen Schatz, der für mich zu einem Stern am Bücherhimmel geworden ist" hat es richtig in sich. *-* Du bist ja wirklich genauso wie ich mit diesen berührenden Büchern und da ist es nur selbstverständlich, dass ich dieses Buch mindestens auf meine WuLi setzen muss! =))
      Liebe Grüße
      Leni ♥

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    3. Das habe ich schon gemerkt, dass wir da sehr ähnlich ticken, ich kann, wie es aussieht, auf deinen Geschmack vertrauen, deswegen hat ja auch "Wer Schatten küsst" von Levy einen Platz ganz oben auf meiner Wunschliste bekommen. :D

      Alles Liebe ;-*

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  2. Huhu :)
    Oha das ist ja wohl traurig o.0
    Ich kenne das Buch wirklich nicht aber ich denke ich muss es lesen!
    Ich glaube das könnte sogar wieder was für meine Mama sein ( die liest ja immer meine Bücher xD)
    Alles Liebe
    Janine

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    1. Jaaaaaa, das muss ich fast hinausschreien.^^ Lies dieses Buch. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es jemanden nicht so sehr berührt, wie es das bei mir geschafft hat. Und Deine Meinung dazu würde mich natürlich auch brennend interessieren. Lass es mich unbedingt wissen, falls du es dir zulegst und liest, ja? ;)

      Alles Liebe ♥

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    2. Du bist dann die erste die es erfährt ;) Ich geh am Montag bzw Dienstag mal und werd' es mir holen!
      Ich glaube meinem SuB gefällt das nicht aber hey ich habe ihn schon gewaltig abgebaut
      Alles Liebe

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  3. Hallöchen Janine,

    wollte mal wieder bei dir vorbei schauen :D
    Das Buch hört sich sehr interessant an, eine tolle und sehr genaue Rezension.
    Das Buch wandert auf jeden Fall auf die Wunschliste.
    Vielleicht interessiert dich meine letzte Rezension.
    Rezension Schwester golden, Bruder aus Stein
    Oh und falls du Tipps hast, immer her damit:
    Urlaubsfeeling-Post
    Freue mich auf deinen Besuch :-*
    Wünsche dir eine schöne Woche.
    Nadine ♥

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    1. Hallo Nadine,
      das ist schön, ich freue mich sehr über jeden Besuch von dir.
      Das wäre schon echt toll, wenn du es auch liest, ich bin neugierig, ob es dich am Ende auch so berühren kann wie mich.
      Deine Rezension zu "Schwester golden, Bruder aus Stein" (und auch die Blogtour dazu) habe ich schon gesehen, allerdings bin ich im Fantasygenre ja eher nicht bevorzugt Zuhause und ja ... der SuB ist auch enorm. Ausreden genug, nicht? ;D
      Zu deinem Urlaubsfeeling-Post habe ich mir auch schon Gedanken gemacht, ich muss aber erst noch nachsehen, ob die eh ganz sicher in Italien spielen. Dann komme ich vorbei und werde es dir mitteilen, ja? ;)

      Alles Liebe ♥ und dir auch einen schönen Wochenstart!
      Janine

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  4. Hey Janine,

    deine Rezension ist wirklich toll, da bekomm ich auch gleich Lust das Buch zu lesen. Mich interessiert es auf jeden Fall mal mehr über die Krankheit zu erfahren. Allerdings würde das Buch, sofern es dann mal irgendwann bei mir einziehen würde, ewig auf meinem SuB liegen, weil es mir zu traurig zum Lesen ist. Ich kenn mich ja.

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    1. Hallo Julia! :)
      Danke, es freut mich ganz besonders, von DIR zu hören, dass dir meine Rezension gefällt und sie dir Lust auf das Buch macht.
      Aber wenn du mit Traurigem wirklich nicht so klarkommst, dann ist es, denk ich, eher nichts für dich, denn zum Ende hin ist Taschentuchalarm angesagt. - Außer du hast ein Herz aus Stein und dich kann nichts berühren, (wovon ich aber überzeugt bin, dass das nicht so ist^^) dann brauchst du dir darüber keine Gedanken zu machen ... ;)
      Alles Liebe ♥

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    2. :D Wieso ausgerechnet von mir?
      Das größte Problem bei solchen Büchern ist denke ich, dass sie ewig auf meinem SuB rumliegen, weil ich mich nicht dran traue.

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    3. Hmm... mal überlegen ... weil du mitunter meine ehrlichste und treueste Leserin bist, auf deren Meinung ich sehr viel Wert lege?! ;)
      Das wäre ja mal eine wunderbare Gelegenheit um an der Überwindung deiner Angst vor traurigen Büchern zu arbeiten. ;-P

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  5. Hey Janine, ich habe das Buch auch auf meiner Wunschliste und nach deiner wirklich tollen Rezi darf es nun ganz bald bei mir einziehen. Ich habe es übrigens endlich (!) geschafft den Tag zu machen. Tadaaa: http://papierundtintenwelten.blogspot.de/2015/08/tag-wie-ich-lese.html
    Lg Petra

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    1. Hallo Petra,
      freut mich zu lesen. Ich wünsche dir ganz viel Lesefreude mit diesem wundervollen Buch. ;) Lass es mich doch beizeiten wissen, wie es dir gefallen hat, ja? :)
      Ich schaue gleich noch bei dir vorbei.
      Alles Liebe ♥

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  6. Hallo Janine

    Ich habe das E-Book. Ich bin sehr gespannt. Deine Besprechung ist sehr emotional.Wunderschön!

    Liebe Grüße,
    Gisela

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    1. Echt? Na dann freue ich mich auf deine Meinung zu meinem Lieblinsgbuch. :)

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