[Rezension] Sorry | Zoran Drvenkar

Mittwoch, 4. Februar 2015


Informationen zum Buch:

-) Seiten: 397
-) Verlag: Ullstein
-) Ersterscheinung: 12. Mai 2010
-) ISBN: 9783548281834
-) Format: Taschenbuch
-) Wert/Preis: [A] 10,30 €   [D] 9,99 €
-) Genre: Thriller

Zum Buch? - Verlagshomepage
Reinlesen? - Leseprobe

Lesezeitraum: 29. Jän. - 2. Feb. 2015

Persönliche Bewertung: 4 ****


Der Autor:
 

© Corinna Bernburg
Zoran Drvenkar wurde in Kroatien geboren und zog im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern nach Berlin. Seit 1989 arbeitet er als freier Schriftsteller und lebt jetzt in einer alten Kornmühle in der Nähe von Berlin. Er ist der Autor vielfach ausgezeichneter Kinder- und Jugendbücher, unter anderem schrieb er unter Pseudonym den Bestseller Die Kurzhosengang. 2003 erschien sein Psychothriller Du bist zu schnell, der zurzeit verfilmt wird.
  
 
  
 


 
 
 
Der erste Satz:

Es überrascht dich, wie einfach es ist, sie ausfindig zu machen.

Der Klappentext:
 
Ihr Angebot rüttelt die Geschäftswelt auf, denn sie entschuldigen sich für die Vergehen von Unternehmen. Sie bieten den Schuldigen Unterstützung an und helfen den Opfern. Sie selbst verdienen viel Geld damit, die vier jungen Berliner, die diese clevere Geschäftsidee hatten, irgendwann, bevor der Terror anfing. Immer mehr Menschen erleichtern über sie ihr Gewissen - bis ihnen eines Tages jemand den Auftrag erteilt, eine Tote um Verzeihung zu bitten für die unvorstellbaren Qualen, an denen sie starb. Hier schnappt die Falle zu. Die Lektion, die der Auftraggeber ihnen ab jetzt erteilt, ist voller Dunkelheit: Wie Schachfiguren werden sie auf eine Spur der Grausamkeit gesetzt, auf der es keine Vergebung gibt, kein Schwarzweiß mehr zwischen Opfer und Täter.
 
Meine Meinung:

Düsteres Verwirrspiel
 
Wenn man anfängt, dieses Buch zu lesen, fängt auch unweigerlich die große Verwirrung an. Eine Frage nach der anderen stellt man sich: Was hat es mit den sich zeitweise wiederholenden Kapitelüberschriften 'Davor', 'Danach', 'Der Mann, der nicht da war' und 'Du' auf sich? Wer ist wer? Woher bzw. wodurch kennen sich die Charaktere? In welcher Beziehung stehen sie zueinander? Was ist von Bedeutung und was völlig irrelevant? ...
Das ist für mich ja eigentlich das Tolle an einem Thriller: sich nach und nach seine Fragen durchs Herauslesen beantworten zu können. Hier hat es mich aber gestört, dass das meiste Licht ins Dunkel erst ziemlich am Schluss gebracht wurde und ich mich eben fast bis ganz zuletzt nicht ausgekannt habe. - Auf eine Weise fand ich das deprimierend und für mich als Ungeduldige war das sowieso eher unpassend. ;-P

Da dieses Buch nach Still mein zweites Buch von Drvenkar war, war ich auch ob der Gemeinsamkeiten etwas enttäuscht: wieder das Thema Kindesmissbrauch (wenn auch ganz anders verarbeitet), wieder diese Kapitelüberschriften und wieder so ein (zugefrorener) See,... - Natürlich nicht gleich, aber doch ähnlich. Und sowas mag ich nicht so gerne, denn das hat für mich was Nachgemachtes bzw. Einfallsloses. :-/

Nun will ich aber auch mal wirklich was Positives loswerden: der Schreibstil ist einfach unglaublich. Man fühlt sich richtig reingeworfen in die Geschichte. Drvenkar und Atmosphäre, das gehört einfach zusammen. Ich bin so angetan und fasziniert von seiner Art zu schreiben: einzigartig, mit Wiedererkennungswert, düster, melancholisch und spannungsgeladen. Der Schreibstil ist schlicht und einfach ein Erlebnis, das man nicht verpassen sollte!

Trotz meiner vielleicht verheerend wirkenden Kritikpunkte, vergebe ich gefühlsmäßig 4 Sterne. ;-) Denn als lesenswert empfinde ich das Buch allemal.
 
 
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Buchzitate:

~ Die gefährlichsten Menschen sind nicht misstrauisch, sie sind interessiert. ~

~ In der Dunkelheit deiner Gedanken möchte ich ein Licht sein. ~

~ Gesehen werden kann so wichtig sein. Egal, von wem.
Ich verschwinde mehr und mehr in mir selbst. ~

~ An solchen Tagen muss es regnen, denkt Kris. Niemand sollte sich
von einem Menschen trennen, wenn die Sonne scheint. ~

~ Es gibt nichts Erbärmlicheres als einen Menschen, der
sich für seine Fehler nicht entschuldigen kann. ~

~ Er fragt sich, wie man eine Welt geraderücken soll, in der
sich jeder daran gewöhnt hat, schief zu stehen. ~

~ In jemanden verliebt sein und jemanden lieben sind für sie zwei verschiedene
Bahnhöfe. Sie kann sich jede Woche neu verlieben, aber lieben will sie nur einmal. ~

~ Zufälle sind für ihn eine Erfindung von Menschen, die nichts mit
ihrem Leben anfangen können. Sobald etwas schiefgeht, machen sie
einen auf hilflos. Läuft es gut, suchen sie nach einer Erklärung dafür,
warum es gut läuft. Ihnen fehlt der Mumm zu sagen: Dies und das
passiert mir, weil ich bin, wie ich bin. ~

 

Kommentare:

  1. Da hast Du ja wieder schöne Zitate herausgefischt! :) Ich bin schon sehr neugierig, wie mir "sorry" gefallen wird, ich glaube, da muss auch der richtige Zeitpunkt zum Lesen da sein. Denn wenn auch hier wieder der Schreibstil und die Atmosphäre so reinhauen, dann freue ich mich schon darauf! :)

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  2. Ich muss sagen, irgendwie überzeugt mich deine Rezension nicht.^^
    Vielleicht versuche ich es dann doch eher mit "Still".

    Ich kann aber sehr gut verstehen, dass es dich nervt, wenn die Bücher so ähnlich sind.
    Das ist in der Tat recht einfallslos, dann sollen die Autoren lieber warten bis ihnen ein gescheiter Plot einfällt.

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    1. Wahrscheinlich, weil ich von der Story selbst nicht besonders überzeugt war/bin. ;)
      Mit "Still" solltest du es auf jeden Fall irgendwann mal versuchen, hat mir sehr viel mehr zugesagt als "Sorry". Das Besondere an "Still" ist die unglaublich atmosphärische Schreibweise!

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  3. Hi Janine ;)
    Da musste ich gleich mal deine Rezi zu Sorry lesen ;) Ich stimme dir auch zu, ich glaube das Thema "Kindesmissbrauch" ist bei ihm jetzt schon ausgelutscht.
    Schöne Rezi! Mir gefallen die Zitate <3

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Danke Jessi! :-)
      Ich werde "DU" wohl auch noch irgendwann lesen, Drvenkars Schreibstil kann ich ja doch nicht widerstehen.^^
      Alles Liebe ♥

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